PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schöne, traurige, lustige und nachdenkliche Tiergeschichten!


Natalie
16.11.2004, 18:32
Hallo Ihr Lieben!
Habt ihr Lust, hier ein neues Thema zu gestalten?
Es soll für Tiergeschichten, Gedichte u.ä. verwendet werden.

Ich beginne gleich mal mit ein paar lustigen Tipps für Menschen die sich einen Welpen wünschen und vorher schon mal etwas "üben" wollen!

Freue mich schon auf eure Beiträge!!!

:knuddel: :knuddel: :knuddel:


TIPPS FÜR ZUKÜNFTIGE WELPENBESITZER:

Wie bereitet man sich auf die Ankunft eines Welpen vor?

1. Schütte kalten Apfelsaft an verschiedenen Stellen auf den
Teppichboden und laufe barfuss im Dunkeln herum.

2. Trage nur noch Socken die durch den Wolf gedreht wurden.

3. Gleich nach dem Aufwachen , stell Dich in den Regen und die
Dunkelheit und wiederhole : Gutes Hundi , mach Pipi , los , mach
schon ...

4. Bedecke Deine besten Kleider mit Hundehaaren. Helle Kleider mit
dunklen und dunkle Kleider mit hellen Haaren und streue zudem auch
einige Hundehaare in Deinen Morgenkaffee.

5. Spiel " Fangen " mit einem nassen schleimigen Tennisball

6. Renn barfuss durch den Schnee um das Gartentor zu schließen.

7. Schütte einen Wäschekorb mit sauberer Wäsche um und
verteile die
Stücke in der ganzen Wohnung.

8. Lass Deine Unterwäsche im Wohnzimmer liegen denn dorthin bringt
Dein Hund sie sowieso ( Besonders dann, wenn man Gäste hat ).

9. Spring aus Deinem Sessel, kurz bevor Deine Lieblingssendung im
Fernsehen vorbei ist und renne schreiend zur Tür: Nein ! Nein !
Nein ! Mach das draußen. Versäume den Schluss deiner Sendung.

10.Schütte morgens Schokopudding auf den Teppich und warte bis
nach
der Arbeit um es sauber zu machen.

11. Nimm einen Schraubenzieher und drücke damit Löcher in ein
Bein
des Esstisches.

12. Nimm eine warme, weiche Decke aus dem Trockner und roll Dich in
sie ein. Das ist das Gefühl das Du bekommst, wenn ein Welpe auf
Deinem Schoss einschläft.

Natalie
16.11.2004, 18:40
Und jetzt noch eine sehr traurige Geschichte!
Ich hab es bisher noch nicht geschafft Sie zu lesen und dabei nicht in Tränen auszubrechen.

Sie sollte jedem gezeigt werden, der sich ein Tier zu legt!!!

"WIE KONNTEST DU NUR?" Copyright Jim Willis 2001

Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer, wenn ich böse war, erhobst Du Deinen Zeigefinger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen.

Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte schöner nicht sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine
abendliche Rückkehr wartete.

Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen.

Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.

Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich weil Du glücklich warst.

Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern.

Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte.

Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".

Als sie aber größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das
Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt.

Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hattest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir ein Dorn im Auge.

Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen.
Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiß, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet auch mit "Stammbaum".

Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben.

Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?"

Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren.

Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei ...oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte.

Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum.

Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen.

Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.

Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte.

Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?"

Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so Leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich allein gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort.

Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr gegolten hatte.

Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.

Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.


Copyright Jim Willis 2001

:cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry:

Rosenheimcop
21.11.2004, 15:35
Ich möchte etwas Lustiges beisteuern.

Habe mich gestern mit meiner Katze unterhalten, mußte nießen und kriege von ihr ein "Gesundheit" und sagte "Danke". Anschließend dachte ich, wenn ich jemandem erzähle, dass mir meine Katze "Gesundheit" sagt, wenn ich nieße, da kämen die gleich mit so einem großen Auto angefahren und würden die Jacke mit den Ärmeln hinten auspacken :lol: .

Sie sagte dieses "Gesundheit" soo ernst, genau in dieser Bedeutung, dass ich gesund bleibe solle. Machen wir uns da eigentlich jedesmal Gedanken oder sagen wir das Wort einfach so, ohne den Sinn zu begreifen, der dahinter steht :) ?

Rosi

Natalie
21.11.2004, 16:10
Hallo Rosi!

Vielen Dank für deine Geschichte!!!
Dachte schon, dass gar keiner interesse hat an diesem thread :(

aber jetzt bist du ja da;-)

Ich denke auch dass es etwas seltsam ist.....wir sagen bei jedem nieser gesundheit und wenn sich jemand wegen irgendwas (krankheit, Verschlucken etc.) weghustet wird nix gesagt.

aber toll, dass es deine katze ernsthafter sagt als wir!

Na ja....ich denke, leute die hier unwissend ins forum schauen, denken alle erst mal....oh man, denen ist nicht mehr zu helfen, :lol: aber dafür haben wir uns hier ja zum glück. Denn wir wissen...dass wir nicht reif für die Zwangsjacke sind, lol

Ich finde deine geschichte sehr schön. Wenn meine Tiere niesen, sage ich immer gesundheit zu ihnen, aber bisher hat noch keine von ihnen es gesagt, bzw. habe ich es noch nie vernommen.

Nur mein hund shadow findet es jedes mal so lustig und toll....das er, nachdem ich es gesagt habe, gleich nochmal nießt und mich erwartungsvoll ansieht. danach freut er sich immer ohne ende...wenn ich es wieder sage ;-)

und ich lache mich dann mit ihm schief!!!

Liebe Grüße, Natalie

Gandalf
21.11.2004, 21:09
hallo!
also den mit dem welpen fand ich so toll (und für mich momentan so passend), das musste ich grad an ein paaar freunde weitermailen! :mrgreen:

hier noch ein sehr trauriges gedicht, das ich aber auch wunderwunderschön finde:

Der letzte Gang

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach und quälende Pein hält mich wach
was du dann tun musst - tu es allein - die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass du sehr traurig, verstehe ich wohl. Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag mehr als jemals geschehen muss deine Freundschaft das schwerste bestehen.

Du gabst mir die letzten Tage Glück - Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht das ich leide dabei - drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Begleite mich dahin, wohin ich gehen muss. Nur bitte bleib bei mir bis zum Schluss.
Und halte mich fest und red mir gut zu, bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit ich bin sicher wirst du es wissen - es war deine Liebe die du mir erwiesen.
Vertrauendes Atmen ein letztes Mal - du hast mich befreit von Schmerz und Qual.

Und gräme dich nicht, wenn du es einst bist, der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint. Es soll nicht sein, das dein Herz um mich weint.

- - - - - - - - - - - - - - - - -

und das ist sehr bekannt, aber vielleicht kennen es ja einige noch nicht, ich fand es so schön dass ich es ausgedruckt und in meinem büro aufgehängt habe:

Zehn Bitten eines Hundes an den Menschen

Mein Leben dauert zehn oder zwölf Jahre. Jede Trennung von dir wird für mich Leiden bedeuten. Bedenke es, eh du mich anschaffst!

Gib mir Zeit, zu verstehen, was du von mir verlangst!

Pflanze Vertrauen in mich - ich lebe davon!

Zürne mir nie lange und sperr mich zur Strafe nicht ein! Du hast deine Arbeit, dein Vergnügen, deine Freunde - ich habe nur dich!

Sprich manchmal mit mir! Wenn ich auch deine Worte nicht ganz verstehe, so doch die Stimme, die sich an mich wendet.

Wisse: wie immer an mir gehandelt wird - ich vergesse es nie!

Bedenke, eh du mich schlägst, daß meine Kiefer mit Leichtigkeit die Knöchelchen Deiner Hand zu zerquetschen vermöchten - daß ich aber keinen Gebrauch von ihnen mache.

Eh du mich bei der Arbeit unwillig schiltst, bockig oder faul, bedenke: vielleicht plagt mich ungeeignetes Futter, vielleicht war ich zu lange der Sonne ausgesetzt oder habe ein verbrauchtes Herz.

Kümmere dich um mich, wenn ich alt werde - auch du wirst einmal alt sein!

Geh jeden schweren Gang mit mir ! Sage nie: "Ich kann so etwas nicht sehn" oder "es soll in meiner Abwesenheit geschehen". Alles ist leichter für mich mit DIR!

Natalie
21.11.2004, 22:13
Hallo Kassiopeia!!!

Danke für dieses Gedicht!
Ich könnte jetzt schon weinen, wenn ich dran denke meinen hund mal gehen lassen zu müssen. Ich hoffe bis dahin haben wir 2 noch einen langen, schönen weg miteinander!!!

und diese 10 Regeln für den Hundebesitze....die sind echt gut!
Hatte auch schon überlegt sie rein zu setzen...aber jetzt hast du es ja getan!
Echt schön!!!

Danke!!!
:knuddel:

lucky
22.11.2004, 09:29
Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines,
es ist ein Blatt, man merkt es kaum, denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein, war Teil von unserem Leben,
drum wird dies eine Blatt allein, uns immer wieder fehlen.

Diese Zeilen sind zwar nicht von mir (Verfasser unbekannt) aber ich habe sie meinen verstorbenen Gefährten gewidmet.
Liebe Grüße
Sylvia

Silverlight
22.11.2004, 11:20
Hallo ihr Lieben,

sollten wir diesen netten Thread nicht in die Lounge verschieben?
Ich finde da würde es besser passen und mehr Beachtung finden.....wollte es aber nicht einfach ohne nachfragen verschieben, da hier ja der Member privat Bereich.....

AL Silverlight

lucky
22.11.2004, 11:24
Hallo Silvia
ich für meinen Teil, habe kein Problem damit, da die meisten Geschichten öffentlich im Internet zu finden sind.
Liebe Grüße
Sylvia

Gandalf
22.11.2004, 11:32
hallo silvia
finde ich auch eine gute idee, habe den thread nämlich hier erst spät entdeckt!

Surprise
22.11.2004, 16:17
Hab auch mal was gefunden. Anstatt für Welpen, für Pferde

Der ultimative Test, ob Du wirklich bereit bist für ein eigenes Pferd!

Geld
Drücke monatlich jeden 01. einem Obdachlosen in der Fussgängerzone 400-500 Euro in die Hand ohne zu meckern und auch nur darüber nachzudenken
Versuche nach Bezahlung von Miete, Auto, Versicherungen etc. noch 100 Euro für den Ernstfall beiseite zu legen.
Einmal im Jahr drücke einen Obdachlosen 2000 EUR in die Hand (Simulation einer hohen Tierarzt Rechnung)

Schmerzen
Schaffe Dir einen grossen schweren Hammer an und haue dir mit voller Wucht mindestens einmal die Woche auf einen Deiner Zehen (blaue
Einschüsse, Ablösende Nägel und Zehenbrüche erwünscht).
Lass Dich mindestens einmal im Monat eine Treppe herunterfallen.
Grabe Deinen Garten täglich um, damit Du Schwielen an die Hände bekommst.
Benutze keine Handcreme mehr !

Privatleben
Erkläre deinem Partner jeden zweiten Tag dass Du keine Zeit für ihn hast.
Besorge Dir von einem anderen Pferdebesitzer ein paar Pferdeäpfel. Vergrabe Deine Hände darin verschmiere es an Deiner Kleidung und gehe so zu einem Date mit Deinem Liebsten.
Solltest Du keinen Partner haben, begrabe die Hoffnung mit Pferd je einen zu finden...

Zeiteinteilung
Stehe statt um 7 Uhr jetzt um 5 Uhr auf und grabe in der Zeit Deinen Garten um (denn in dieser Zeit ist der Stall so schön leer...), gehe
anschliessend stinkend und verschwitzt ins Büro/Werkstatt etc. nicht
vergessen vorher noch ein bischen Pferdeäpfelduft aufzulegen.
Feierabend gegen 17 Uhr versuche SCHNELL bei Aldi die aktuellen Angebote abzugreifen und hetze zum Garten (Stall), geh zwei Stunden joggen, putze Dein Auto (Simulation von möglichen Reitstunden). Deine Einkäufe lagen im Auto, bei 35° hat sich das mit dem Eis und der Butter schön verteilt....

Auto
Verteile 10 kg Erde und Matsch sowie einen Eimer Pferdeäpfel grosszügig in Deinem Auto. Mach es 1 Jahr lang auf keinen Fall sauber!!

Kleidung
Verteile in Deinem Kleiderschrank 4-6 Pferdeäpfel, versehe die Hälfte Deiner Kleidung mit kleinen Löchern, die andere Hälfte mit Grasflecken
(Möhre geht auch). Achja und ein Jahr lang sind keine neuen fällig....

Frisur / Nägel
Verteile getrockneten Pferdemist in Deinen Haaren, Stroh nicht vergessen,
den Friseur suchen wir nur noch einmal im Jahr auf wegen Geldmangel
Halte Deine Fingernägel immer schön zersplittert und dreckig.

HALTE DEN PLAN 1 JAHR DURCH

:mrgreen: ist ja irgentwie was wahres dran...

Natalie
22.11.2004, 17:48
Hallo Ihr Lieben!
Schön, dass sich jetzt plötzlich so viele auf den thread melden!
Wußte nicht, dass er einfach so schwer zu finden ist!

@Silverlight, Du kannst ihn gerne verschieben!
Würde mich freuen, wenn dann mehr Leute ihn finden und weiter posten!!!

Ganz lieben Dank!!!

@surprise!
Lach, ich fand die Tipps vorm Pferdekauf sehr lustig!
Aber bin auch froh, dass ich dies damals nicht testen mußte, bevor ich ein Pferd bekam, lol.
Wäre wohl ein guter Test für Eltern deren Kinder unbedingt gaaaanz früh ein Pferd haben wollen. Die Eltern sollten die Kinder diese Regeln befolgen lassen *gg*
Aber, wie gesagt, bin froh das meine Eltern das damals vor dem Pferdekauf nicht gesehen haben ;-) Hatten danach ja auch noch genug freude an all den "Pferdlichen Einschränkungen"


@lucky!!! Auch vielen Dank für dein schön trauriges Gedicht!!!

Aranka
22.11.2004, 21:45
oh jeee ich heule mich weg!!! Bin noch gedanklich bei "wie konntest du nur"! "schnief" sehr schön aber auch sehr traurig.
Und die Tips für den Pferdekaut sind auch klasse! Komme grad von meinem Pflegepferd, allerdings ist der Pferdeapfelduft schon weggeduscht... :lol:

Natalie
23.11.2004, 01:18
Die Regenbogenbrücke

Eine Brücke verbindet den Himmel und die Erde.
Wegen der vielen Farben nennt man sie die Brücke des Regenbogens.
Auf dieser Seite der Brücke liegt ein Land mit Wiesen, Hügeln und saftigem grünen Gras.

Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist,
geht es zu diesem wunderschönen Ort.
Dort gibt es immer zu fressen und zu trinken,
und es ist warmes schönes Frühlingswetter.

Die alten und kranken Tiere sind wieder jung und gesund.
Sie spielen den ganzen Tag zusammen.

Es gibt nur eine Sache, die sie vermissen.
Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben.

So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen,
bis eines Tages plötzlich eines von ihnen innehält und aufsieht.
Die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß!
Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt über das grüne Gras.
Die Füße tragen es schneller und schneller.

Es hat Dich gesehen.
Und wenn Du und Dein spezieller Freund sich treffen,
nimmst Du ihn in Deine Arme und hältst ihn fest.

Dein Gesicht wird geküßt, wieder und wieder,
und Du schaust endlich wieder in die Augen Deines geliebten Tieres,
das so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber nie aus Deinem Herzen.

Dann überschreitet Ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens, und Ihr werdet nie wieder getrennt sein...


Dichter: leider unbekannt, übersetzt aus dem englischen von
Chrystel Wysocki

Natalie
23.11.2004, 04:14
Rainer Maria Rilke

Der Panter

Im Jardin des Plantes; Paris

SEIN Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
Ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
Sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
Und hört im Herzen auf zu sein.

Natalie
23.11.2004, 04:20
Einen Hund zu haben bedeutet


...es normal zu finden, dass zwei erwachsene Menschen nichts Wichtigeres zu tun haben, als auf dem Fußboden herumrobben, um sich unter merkwürdigen Lautäußerungen mit einem Hund um ein Seil zu balgen oder unter Möbelstücken nach verlorenen Tennisbällen zu suchen

......an Regentagen nach dem Hundespaziergang trotz Regenschirm mit einem klatschnassen Hosenbein heimzukommen, weil der Hund bei dem Versuch, sich unter Herrchen´s Schirm zu drücken, eine Wasserstandsmeldung hinterlassen hat

.....bei schwarzen Kleidungsstücken daran gewöhnt zu sein, dass sie gewolkt aussehen, als wäre man mit einem Wattebausch darübergefahren

......entgegen aller guten Vorsätze den Hund zum gemeinsamen Mittagsschläfchen auf das Sofa zu bitten

......angesichts von Dreckspritzern an weißen Küchenmöbeln nicht vorrangig über einen Putzlappen, sondern langfristig über die Anschaffung weniger schmutzempfindlicher Oberflächen nachzudenken

......Hundehaare auf dem Fußboden und an allen möglichen sonstigen Stellen zwar nicht attraktiv, aber normal zu finden und sämtliche Entschuldigungen angesichts überraschendem unbehundetem Menschenbesuch tapfer herunterzuschlucken

......sich zwar stundenlang mit der Auswahl eines schönen Wohnzimmerteppichs Gedanken zu machen, denselben aber gleich anschließend durch Danebenlegen eines grauen Plüsch-Hundekissens mit widerlichem Muster zu "entweihen", nur "weil diese Kunstfaser-Hundeteppiche eben so praktisch, warm und leicht zu waschen sind..."

...die Wohnzimmereinrichtung zwar mit schönen Antiquitäten zu gestalten, aber keine Probleme damit zu haben, die große grellfarbige Plastik-Flughundebox neben den Biedermeiersekretär zu stellen, weil der Hund so gerne darin schläft

......zu akzeptieren, dass Hunde vom "Schöner Wohnen" zuweilen andere Ansichten haben

......sich tagelang auf das Aufblühen der Kameliensträucher im Garten zu freuen und dann festzustellen, dass der Hund den richtigen Moment erwischt und die frisch geöffneten Kamelienblüten auf den Wohnzimmerteppich dekoriert hat

......in einer schlaflosen Nacht sich im Bett herumzuwälzen, plötzlich das warmen Schnaufen des Hundes im Ohr zu spüren, der einen Massageantrag stellt, der dann merkwürdigerweise den Kraulenden ebenso entspannt wie den Gekraulten

......immer und jederzeit mit wahrem Enthusiasmus und ansteckender, großer Freude begrüßt zu werden

......still darüber zu fluchen, dass es auch in 20 Jahren nicht gelingen will, den Hunden an Regentagen das Schütteln vor der Haustür beizubringen und sie sich dafür wie immer den strategisch günstigsten Platz vor dem mit tausend schmutzempfindlichen Kleinigkeiten gefüllten Glasregal im Wohnzimmer ausgesucht haben

......nur noch wischfeste Tapeten zu kaufen, damit man die "Bremsstreifen" an der Wand langlaufender Hunde besser abwischen kann

.....sich nicht mehr darüber zu wundern, dass man von Leuten, die man täglich beim Spaziergang trifft, zwar nicht den Namen erinnert, aber genau weiß, wie ihr Hund heißt

.......einen Tennisarm zu haben, nur weil der Hund es so liebt, hinter weit geworfenen Stöckchen herzurennen und man es beim gemeinsamen Training übertrieben hat

......dass man (glücklicherweise selten) kochend vor Wut hundelos in der Botanik steht, weil der vierbeinige Hausgenosse sich für seinen kleinen Jagdausflug genau den Tag ausgesucht hat, an dem man zu einem wichtige Termin muß und nun stattdessen suchend im Wald umherirrt

......beim Wochenendprogramm zwischen Ausschlafen, Sonntagsfrühstück, Rasenmähen und Einkaufen drei lange Hundespaziergänge einzuplanen

......die Jahreszeiten und das Wetter viel intensiver zu erleben und auf Spaziergängen zu merken, wie schön die Natur ist

......Gummistiefel und extra-große Goretexjacke im feuchten Herbst und Frühjahr zur Lieblingskleidung zu erklären und tapfer darüber hinwegzusehen, dass man auf allen Schnappschüssen mindestens 30 kg schwerer aussieht als man ist

......wochenlang nach einem Wohnmobil mit reichlich Bodenfläche gesucht zu haben, um dann festzustellen, dass man das enge Fahrerteil nur mit einem Riesenspagat verlassen kann, weil sich die ganze Meute dort zusammendrängt

......sich nachts im Dunklen nur schlurfend zur Toilette zu bewegen, damit man nicht auf den Hund tritt

......sich manchmal gerne auf den Boden zu den Hunden zu setzen

......morgens davon aufzuwachen, dass es gleichzeitig warm und kalt zieht, weil der Hund einem freundlich einerseits ins Ohr pustet und andererseits mit dem Schwanz wedelt

......besonders beim Schmuddelwetter darüber nachzudenken, wie der heimische Flur wohl nach Umbaumaßnahmen (Einbau einer Dekontaminationsschleuse mit halbhohen Fliesen, Handbrause, Turbofönanlage und Bodenablauf) aussehen würde

......sofort nach der Arbeit auf andere Gedanken zu kommen

......das schöne Gefühl, nie allein zu Hause zu sein

......den heimischen Bürostuhl nur noch mit allergrößter Vorsicht zu bewegen, damit nicht wieder ein paar Schwanzhaare ausgerissen werden

......wenn man anstelle einer tollen Reise den Jahresurlaub zuhause verbracht hat, um ein paar Welpen aufzuziehen und dabei mehr Aufregendes, Schönes und Anstrengendes erlebt hat als in tausend fernen Ländern

......damit zu leben, dass Hunde vor allem frisch geputzte Fensterscheiben erkennen können und genau darauf bevorzugt ihre Nasen drücken

.......das lang ersparte Traumauto durch Ausbau der Rückbank, Einbau einer wasserfesten Hundedecke und einer aufblasbaren Fußraumfüllung sowie den Kauf von Hundegurten halbwegs alltagstauglich auszurüsten und festzustellen, dass es nach einmaliger Probefahrt aussieht, als hätte man es wochenlang benutzt ohne es zu putzen

......über Sätze wie "sie haben drei Hunde und keine Kinder, sind aber sonst ganz nett.." freundlich zu lächeln

...... andere Menschen schon aus großer Entfernung aufgrund ihrer Körperhaltung als Hundehasser und Hundefreunde einzustufen

......darüber zu lachen, wenn sich der Hund genau den Zeitpunkt vor der langen Urlaubsreise ausgesucht hat, um sich in einem stinkenden Haufen zu wälzen

......stundenlang mit anderen, eigentlich fremden Leuten über so interessante Themen zu diskutieren, wie man Zecken am besten entfernt und welche Vorzüge welcher Fellstriegel hat

......über den schweren Wasserkasten beim Einkauf zu klagen, aber den 26 kg wiegenden Eurasierrüden problemlos allein hochzuheben, wenn es sein muß

......mit Briefwaage, Taschenrechner und Fachbuch einerseits eine vollwertige Hundemahlzeit zu produzieren und sich andererseits danach eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben

......sich nicht mehr darüber zu wundern, dass sich vollgesogene Hundezecken vorzugsweise auf helle Teppichböden fallenlassen und man sie trotz des Farbkontrastes erst so richtig bemerkt, wenn man draufgetreten ist

......nie um ein passendes Wort verlegen zu sein, wenn man mit Gästen gerade eine schöne Mahlzeit zu sich genommen hat und Würgegeräusche unter dem Tisch erkennen lassen, dass der Hund sich anschickt, seine samt Grasbüscheln ect. auf dem Teppich zu deponieren

......zu registrieren, dass man früher fand, Hunde würden stinken und nun den eigenen Hund als ausgesprochen wohlriechend erlebt und Hundewelpen noch viel mehr

......auf der Basis einer wunderbaren Freundschaft vielen Lebensunbilden etwas gelassener, humorvoller und ausgeglichener zu begegnen

.......festzustellen, wie unerträglich still ein Haus sein kann, wenn der Hund gestorben ist

...Sie wollen sich einen Hund anschaffen und glauben, dass Ihnen dieses und vieles andere nie passieren wird? Schauen Sie doch in einem Jahr noch einmal vorbei! Diese und viele andere schöne Erlebnisse mit Ihrem Hund wünscht



Autor: Text: Barbara Post

Natalie
23.11.2004, 04:23
Hundewäldchen


Zusammengekauert saß der bärtige alte Mann im Nieselregen eines kalten Wintertages vor dem Tor des Tierheims, neben sich in einem kleinen Bollerwagen einen Schäferhund, der sogar aus der Nähe wie ein Bündel alter Kleider wirkte, die jemand achtlos abgelegt hatte.

Die beiden mussten schon eine ganze Weile dort warten, denn als die ersten Angestellten früh um sieben kamen, hatte der Mann Mühe, sich aus seiner Stellung zu erheben, so steif war er geworden. Der Hund versuchte erst gar nicht auf die Beine zu kommen, er blinzelte nur kurz und schloß dann wieder die Augen, ohne einen Laut von sich zu geben.

"Es ist wegen Harras," der alte Mann sprach die junge Tierpflegerin, die das breite Tor aufschloß, zögernd an, "er ist krank" .. und nach kurzem Zaudern, "sehr krank."

Er hatte seinen breitkrempigen, verwitterten Schlapphut gezogen und wartete. "Dann müssen wir ihn uns wohl ansehen," für das Mädchen schien das ganze eher ein Routinevorgang zu sein. " Kann er noch laufen, ?" "Ja schon, aber er hat Schmerzen denke ich, ich werde ihn hineintragen". "Aber nein, dafür ist das Tier doch viel zu schwer, sie sah ihn zweifelnd an und setzte hinzu, "und Sie auf keinen Fall kräftig genug." "Das täuscht, erwiderte der Alte kurz, beugte sich nieder und schob seine beiden Arme wie die stählernen Greifer eines Gabelstaplers unter das Tier, um es dann sanft emporzuheben.

"Wohin?" fragte er und sein Atem schien kaum beschleunigt. "Erst einmal ins Trockene, der Tierarzt kommt erst in einer Stunde". Das Mädchen schritt ihm schnell voraus und bog schon wenige Meter weiter in einen kleinen Nebenweg ein, an dessen Ende ein breiter Bungalow stand. "Hier werden unsere Neuankömmlinge untergebracht", sie schloß die Tür auf und der warme Dunst vieler Tierleiber schlug den Eintretenden entgegen. "Legen Sie Ihren Hund hierher, Sie können bei der Untersuchung dabeibleiben, sie wies auf eine schmale Pritsche, die vor dem Behandlungsraum stand. "Es sei denn, Sie wollen das Tier nicht mehr haben und er wird ohnehin Dauergast bei uns", sie sah ihn fragend an."

"Das ist Harras und Sie sollten solche Vermutungen erst gar nicht anstellen, er versteht Sie nämlich." Das Mädchen lächelte, "tut er das? Dann sollte ich wohl etwas vorsichtiger mit meinen Worten sein". Der Mann legte das Tier unendlich liebevoll auf die Pritsche und setzte sich daneben.

Das Mädchen ging geschäftig hin und her, ordnete Instrumente, öffnete Medizinschränke und ließ die beiden dabei nicht aus den Augen. Endlich schien sie mit ihren Vorbereitungen für den tierärztlichen Alltag fertig zu sein und wandte sich dem alten Mann und dem Hund zu. "Darf ich ihn mir mal ansehen, oder ist er kein Menschenfreund?" "Er ist mein Freund" das schien dem Alten als Empfehlung für sein Tier zu reichen. Vorsichtig kam das Mädchen heran, sprach mit sanfter, tiefer Stimme beruhigende Worte und streckte ihre offene Handfläche dem teilnahmslos daliegenden Hund behutsam entgegen.

Er reagierte nicht.

"Harras, mein Guter, sie versuchte immer noch, die Aufmerksamkeit des Hundes zu wecken, vermied es jedoch, sich ebenfalls auf die Pritsche zu setzen.

" Mein Alter, Du darfst," sagte der Mann plötzlich, "sieh doch nur, sie setzt sich nicht".

Das Mädchen lächelte, "sie mögen das alle nicht, sie fühlen sich wie in einer Falle, wenn sie von zwei Seiten eingekreist werden und dann hat man Mühe, ihr Vertrauen zu gewinnen". "Der Mann erwiderte ihr Lächeln, " mir scheint, Sie sind hier am richtigen Platz, die Tiere werden Sie mögen."

Als wolle der Hund diesen Satz bestätigen, hob er schwach den Kopf und schnupperte an der ausgestreckten Hand. Ein kaum wahrnehmbares Schwanzwedeln signalisierte, dass die kurze Prüfung befriedigend ausgefallen war.

"Äußere Verletzungen hat er keine, soweit ich sehe, aber er ist wohl schon sehr alt.?"

"Das sind wir beide und bisher waren wir trotzdem noch niemals krank", sagte der Alte und seine Worte klangen wie eine Beschwörung, dass es auch diesmal nichts schlimmes sein möge.

Das junge Mädchen füllte eine Schüssel mit Wasser und schob sie sacht in die Nähe der Hundeschnauze, doch der Hund zeigte weiterhin keine Reaktion.
"Nun, was immer es ist, ich fürchte, wir werden ihn röntgen müssen, richten Sie sich schon mal darauf ein, dass unser Doktor nur dann eine wirkliche Diagnose stellen kann."

"Wie ist er?" "Ein guter Mann, oder einer von der Metzgersorte?"

Das Mädchen überlegte kurz, als wolle es auf keinen Fall etwas falsches sagen und sah den Alten dann voll an: "Er ist eine ehrliche Haut, wenn Ihr Hund keine Chance mehr hat, wird er es Ihnen knallhart sagen, er hält nichts davon, kranke Tiere um jeden Preis am Leben zu erhalten, aber, er tut alles, um das Einschläfern zu vermeiden".

"Das ist gut", sagte der Alte und sah zum erstenmal weniger besorgt aus.

"Sie können bei der Untersuchung dabeibleiben, der Doktor findet, das beruhigt seine Patienten und er hat weniger Streß, " das Mädchen strich Harras sanft mit dem Handrücken über die Stirn und verschwand dann im Nebenraum. Kurze Zeit später tauchte sie wieder auf, in der Hand einen dampfenden Becher mit Kaffee, den sie dem Alten ohne ein Wort reichte. Der nahm das Gefäß dankbar entgegen, wandte sich aber keine Sekunde von dem Tier auf der Pritsche ab.

Er trank und summte dabei in tiefem Baß eine Melodie, die der Hund zu kennen schien, er öffnete die Augen und wedelte schwach. "Ja, mein Alter, hab keine Angst, ich bin ja da, es wird Dir niemand weh tun", er sang diese Worte fast und seine Stimme zitterte leicht.

Dann ging alles ziemlich schnell. Der Tierarzt, ein grobschlächtiger Mann um die 40, mit überraschend sanften Händen nahm sich viel Zeit für den alten Schäferhund und man sah seinem Gesicht nicht an, zu welchem Ergebnis er gekommen war. Endlich ging er in den Nebenraum, um die Röntgenaufnahme auszuwerten und kam lange Zeit nicht zurück. Als er wieder eintrat war sein Gesicht mehr als ernst.

"Wo leben Sie mit dem Hund", er sah den Alten fragend an und mit einem zweifelnden Blick auf dessen Kleidung , " ich meine, hat der Hund ausreichende Pflege?"

"Wir leben zusammen und was ich habe, hat auch Harras", der Alte schien nicht gesonnen, mehr Auskünfte zu geben.

"Es könnte sein, dass das in seinem jetzigen Zustand nicht mehr ausreichen wird, das Tier kann nicht auf der Straße leben, Sie sollten ihn hier bei uns lassen."

"Auf gar keinen Fall, der alte Mann erhob sich abrupt , " sagen Sie mir nur, was er braucht, er wird es bekommen".

Der Arzt schwieg eine Weile, seufzte tief und sagte dann rasch, " Sie sollten wissen, dass Ihr Harras keine Chance mehr hat, ich kann ihn für etwa 24 Stunden schmerzlos halten und das werde ich auch tun, aber dann müssen Sie sich entscheiden, obwohl es eine wirkliche Wahl für jemanden, der sein Tier so liebt wie sie, nicht geben wird, nicht geben sollte.

Der Alte antwortete nicht sofort, er schien wie betäubt vor Schmerz und sein Bart zitterte. "Und Sie irren sich nicht?" Seine Stimme war fast tonlos.

"Ich denke, Sie wissen die Antwort darauf selbst, dass Sie zu uns gekommen sind, zeigt mir, dass Sie zumindest geahnt haben wie krank Ihr Hund ist."
"Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie wissen, dass seine Krankheit nichts mit seinem Leben auf der Straße zu tun hat, das kann auch jedem Wohlstandshund passieren und ist dann ebenso hoffnungslos." Der Arzt versuchte nicht länger, seine Diagnose erträglich klingen zu lassen, er wandte sich schon seiner nächsten Aufgabe zu, "machen wir weiter Britta," sagte er kurz zu dem jungen Mädchen, das die ganze Unterhaltung in teilnehmendem Schweigen angehört hatte.

"Kommen Sie, ich gebe Ihnen das Schmerzmittel für Harras," sie legte ihre Hand auf den Arm des Alten und führte ihn zu einem der großen Medizinschränke.
"Sie können das Tier hier lassen, sagte sie dann und ihre Augen wirkten dunkel vor Anteilnahme, ehe er antworten konnte fuhr sie fort, "ich weiß, das kommt für Sie nicht in Frage, aber erwähnen muss ich es."
Sie reichte ihm ein kleines Fläschchen, "bitte jeweils dreimal am Tag 10 Tropfen ins Trinkwasser träufeln, oder auch öfter, wenn Sie merken, er hat Schmerzen."

Der Alte griff nach dem Fläschchen mit der trüben Flüssigkeit wie nach einem Rettungsanker, doch sie hielt es fest und sah ihn eindringlich an.
"Ich muss Sie warnen, achten Sie auf die Dosierung, es ist ein überaus starkes Betäubungsmittel, gleichermaßen gefährlich für Mensch und Tier."
"Danke," er verstaute das Fläschchen wie eine Kostbarkeit tief in der Tasche seines abgetragenen Mantels.

"Ehe er sich abwenden konnte, sagte sie, "kennen Sie die Schrebergartensiedlung am Stadtrand?"
Er schien gar nicht zuzuhören, seine Augen wirkten leer und fast blicklos. "Sie können dort mit Harras die nächsten Tage verbringen, um diese Jahreszeit ist dort niemand, sie griff in ihren blauen Kittel und reichte ihm einen großen Schlüssel. "Der ist für den Eingang zur Anlage. "Das Gartenhaus meines Großvaters finden Sie in der dritten rechten Abzweigung vom Tor aus betrachtet, Nummer 11, und der Schlüssel liegt unter dem Blumentopf am Eingang."

Jetzt endlich schien er seine Umgebung wieder wahrzunehmen, er sah sie an, als biete sie ihm nicht nur einen Platz für sich und das kranke Tier, sondern die Rettung aus tiefster Not. "Mein Gott Kind, das gibt es noch," er betrachtete das Mädchen Britta so zweifelnd, als werde das Angebot im nächsten Augenblick zurückgezogen.
"Warum tun Sie das?"

Sie zuckte die Achseln, " wahrscheinlich weil ich gerade meine Hündin Tess verloren habe und die Erinnerung noch frisch genug ist, echte Gefühle um mich herum nicht achtlos zu übersehen". "Ich arbeite hier" weil Tiere nun einmal meine Welt sind, aber glauben Sie mir, oft genug würde ich das alles gern hinschmeißen beim Anblick all der vernachlässigten und mißhandelten Kreaturen." "Kommt dann aber Jemand wie Sie und Harras, dann weiß ich wieder, es lohnt sich," sie stockte einen Moment und fügte dann hinzu; "Liebe lohnt sich."

Der alte Mann lächelte und sah für einen Moment weniger unglücklich aus. "Ich wünsche Ihnen, dass immer Jemand in ihrem Leben sein wird, der diese Ansicht mit Ihnen teilt, sagte er dann und dem Mädchen war für einen Moment so, als habe der Alte sie gesegnet.

Der alte Ölofen in der Gartenlaube gab eine köstliche Wärme ab und die Eisblumen an den kleinen Butzenscheiben schmolzen zusehends. Beide, der alte Vagabund und sein Hund waren restlos erschöpft, es war ein weiter Weg gewesen bis hier heraus und nur auf dem letzten Stück hatte ein LKW das Wägelchen und die beiden mitgenommen. Den ganzen restlichen Weg hatte der Alte das Gefährt gezogen und von mal zu mal längere Pausen einlegen müssen.
Gierig trank das Tier das leicht erwärmte Wasser in das der alte Mann nun die vorgeschriebenen Dosis der Schmerztropfen hineingegeben hatte. Schon Minuten später streckte der Schäferhund sich seufzend wie ein alter Mensch auf der breiten Liege aus, die mitten im Raum stand und der Mann deckte ihn behutsam mit einer alten Schafwolldecke zu, die er in einem der Schränke gefunden hatte.

"Es ist soweit mein Freund, nur noch kurze Zeit und wir beide werden im ewigen Sommer auf die Jagd gehen", liebevoll strich er dem Tier über den Kopf. "Aber jetzt muss ich Dich ganz kurz allein lassen, Du weißt, den letzten Gang wird ein Team wie wir beide es sind, so antreten, wie es sich für freie und stolze Geschöpfe gehört. Ich habe also noch einiges zu tun, schlafe mein Kleiner, schlafe, ich werde hier sein, wenn Du erwachst, ich werde immer hier sein, immer, immer, seine Stimme versagte und der Hund, als habe er die beschwörende Stimme absolut verstanden, stöhnte tief und schwer und schlief ein.

In der Kneipe der kleinen Siedlung, die direkt hinter den Schrebergärten lag, gings an diesem Abend hoch her. Es war Freitag und das bevorstehende Wochenende sorgte bei allen für eine Bombenstimmung.

Den alten Mann, der plötzlich in der Tür stand, bemerkten die Zecher erst, als er seine Mundharmonika ansetzte und die neuesten Hits aus den Charts zu spielen begann. Im Nu wurden Tische und Stühle beiseite geräumt und der Tanz ging los. Der Alte spielte ausgezeichnet und der Wirt sah sein Geschäft blühen.

" Spiel, spiel Alter, es soll Dein Schaden nicht sein". Und der Alte spielte als hänge sein Seelenheil davon ab. Zwei Stunden später steckte er erschöpft und taumelnd vor Müdigkeit die Mundharmonika in die Tasche, nachdem er als letztes Lied das bekannte "muß i denn zum Städtele hinaus", intoniert hatte.

Der Wirt winkte ihn an den Tresen und wollte ihm ein wirklich gut bemessenes Trinkgeld in sein Hutband stecken, aber der Alte wehrte ab.
"Das habe ich gern getan, wenn auch nicht umsonst, alles was ich von Ihnen dafür verlange, ist ein Pfund rohes gehacktes Fleisch aus Ihrer Küche, er sah den erstaunten Wirt beschwörend an, nur das, nicht mehr."

"Sollst Du haben Alter, wenngleich Du Dir für das Geld gewiß hättest Hackfleisch für eine ganze Woche kaufen können". Der alte Mann lächelte als er das Fleischpaket in Empfang nahm, denn der gutmütige Wirt hatte ihm einen gefüllten Flachmann in die Verschnürung gesteckt.
Er klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, als er ihn zur Tür begleitete und sie hinter dem Graukopf abschloß.

Das Tier hob den Kopf als der Alte die Gartenlaube betrat. "Du hast doch nicht etwa geglaubt, ich lasse Dich länger allein als ich muss?" Habe ich nicht immer gehalten, was ich Dir versprochen habe mein Junge? "Ich werds auch diesmal tun, sei sicher, wir beide gehen zusammen in das Land hinter dem Regenbogen.
Was meinst Du, sollen wir beide das so machen wie wir gelebt haben, mit einem Festakt von dieser Bühne abtreten, wie zwei alte Gaukler, die noch mal groß aufdrehen, obwohl ihr Programm langsam zu verstaubt ist, noch irgendwen von den Sitzen zu reißen?"

Der Hund hatte aufmerksam zugehört, es schien ihm etwas besser zu gehen, und als die Stimme seines Herrn verstummte, seufzte er tief und legte die Schnauze auf die Vorderpfoten "Ja, ja", der Mann packte das Fleischpaket aus, breitete das Papier sorgfältig auf dem Boden aus und wartete. Der Hund ließ ihn nicht aus den Augen, schickte sich aber nicht an, das weiche warme Lager zu verlassen.

"Ich bin ein ********************", der Alte strich dem Tier sanft mit dem Handrücken die Schnauzbarthaare zurück, " aber kreide es mir nicht an Harras, ich hab doch glatt vergessen, wieviel Du von guten Tischmanieren hältst, es wird in unseren Kreisen eben nicht vom Boden gespeist, Du hast Recht.
Also der Herr, es ist angerichtet", er hob das Papier samt Inhalt vom Boden auf und legte es dem Hund direkt vor die Schnauze.

Der Schäferhund begann zu schnuppern, zögerte und tat dann so, als fresse er ein Häppchen, in Wahrheit jedoch blieb es bei dem Versuch. Mit unendlicher Traurigkeit in der Stimme sagte der alte Mann, "bin ich zu spät Harras, war das Timing mal wieder saumäßig, wie schon so oft? Weißt Du, ich habs nicht eher geschafft Dir Dein Lieblingsmenü zu beschaffen, könntest Du nicht mal probieren, ob es sich gelohnt hat, dafür zwei Stunden die Einmannkapelle zu spielen?" Er nahm etwas von dem frischen Hackfleisch auf die Hand und hielt es dem Tier bittend hin.

Der Hund sah ihn aus trüben, unendlich ergebenen Augen an, dann nahm er zögernd ein paar Bröckchen und schluckte es ohne zu kauen hinunter.

"Na was hältst Du davon?"

Der Hund stieß einen kurzen winselnden Laut aus und, als wolle er die Bemühungen seines menschlichen Freundes belohnen, leckte er mit der Zunge einige Fleischkrümel aus der Hand des Alten. Doch damit schien seine Energie erschöpft und er schloß erneut die Augen.

Seufzend stand der Alte auf und traf seine Vorbereitungen. Er fand im Geräteschuppen alles was er brauchte und schritt schon wenige Minuten später mit Schaufel und Hacke bewaffnet die wenigen Meter zu einem an die Schrebergärten angrenzenden Wäldchen. Er drang tief bis ins Unterholz vor und begann zu graben.

Im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze fand man die beiden. Mann und Hund einander zugewandt, eine Hundepfote in der Hand des Mannes, eine Geste unendlicher Liebe.

Die Schrebergärtner nannten das Gehölz seitdem das Hundewäldchen und schworen darauf, dass von dort in kalten Nächten die leisen Töne einer Mundharmonika und fröhliches Hundegebell zu hören seien.



Autor: © Lieselore Warmeling

Natalie
23.11.2004, 04:25
Der vergessene Hund
Geschichte vom Pekinesen Tommy


Schlimm war der Tag an dem du deine Frau und ich mein Frauerl verloren haben. Wie sehr vermißte ich ihre Streicheleinheiten. Ich spürte, wie sehr sie auch Dir fehlte. Eng aneinandergeschmiegt spendeten wir uns gegenseitig Trost. Bis in den Tod werden wir zusammenhalten. Fest versprochen!

Nach einiger Zeit kehrte auch wieder etwas Glück in unsere Herzen. Wir genossen unsere gemeinsamen Ausflüge und Zärtlichkeiten. Ich war wieder sehr glücklich. Bis zu dem Tage, an dem Du ein neues Frauerl nach Hause brachtest. Ich spürte ihre Abneigung gegen mich und ihr strittet oft meinetwegen.

Wieder ein Streit. Du nahmst die Leine und meine Freude war groß. Endlich machen wir beide wieder einen Ausflug, nur wir beide. Der werden wirs zeigen. Ich war so glücklich. Wir besuchten eine Frau mit vielen Tieren. Die Frau war sehr nett und lieb zu mir, aber mit meinen 16 Jahren war mir dort doch zu viel Betrieb. Wann gehen wir denn wieder? Endlich bist du dann aufgestanden und zur Tür gegangen. Ich folgte dir langsam, denn ich war ja schon fast blind und in diesem fremden Haus kannte ich mich nicht aus. Doch als ich zur Tür kam, warst du schon draussen. Du hast mich einfach vergessen. Ich schrie dir nach, heulte so laut ich konnte, aber du hast mich nicht mehr gehört. Sissi wollte mich trösten. Aber schon wieder war da das Gefühl der Einsamkeit in mir. Bewußt hast du mich sicher nicht zurückgelassen, denn schon als ganz kleines Baby war ich bei euch und wir hatten doch 16 wunderbare Jahre zusammen erlebt. Nein, du wirst mich sicher bald holen. Tagelang wartete ich vor der Türe. Von Tag zu Tag verlor ich immer mehr den Lebensmut. Mein Körper wollte auch nicht mehr. Da hörte ich, wie Sissi dir am Telefon von mir und meinem Zustand berichtete. Sie weinte dabei und manchmal wurde ihre Stimme sehr zornig und böse zu dir. Das tat weh, denn ich habe dich doch so lieb. Wiederum heulte ich so laut ich konnte, aber es war nur mehr ein leises jammern. Müde legte ich mich in eine Ecke und wollte nur mehr schlafen. So sehr sehnte ich mich nach meinem Frauerl. Ob sie mich auch vergessen hätte?

Auf einmal standest du vor mir. Bin ich schon im Himmel? Du hast geweint, mich gedrückt, hochgehoben. Ach Herrli, ich liebe Dich! Du kommst mich endlich holen. Mit letzter Kraft leckte ich dir über die Wange, leckte deine Tränen. Nicht weinen, nun ist alles wieder gut. Aber leider war auch "SIE" dabei, hat mich kaum beachtet, angewiedert hat sie unser Glück angeschaut. Ich weiß, ihr habt euch wieder meinetwegen gestritten. Als du mich erneut vergessen hast und ihr wieder gegangen ward, habe ich dir nicht mehr nachgeheult. Ich wußte, es war unser Abschied. Dann hörte ich nur noch, wie du zur Sissi sagtest, daß du Leine und das Halsband als Andenken haben willst, wenn alles vorbei ist. Tu`s nicht, denn vielleicht wird dir eines Tages noch bewußt, wie sehr ich deinetwegen leiden mußte und auch, daß du nicht mal in den letzten Minuten an meiner Seite warst.

Sissi war bei mir, obwohl sie nicht in mein Hundeleben gehören hätte sollen. Die Tür ging auf, kurz hatte ich gehofft, daß du doch noch kommst und mich wie früher drückst und mir auf dem letzten Weg beistehst. Doch es war wieder nur eine fremde Person. Ich spürte den Einstich kaum, das letzte was ich noch spürte war Trauer, daß du nicht bei mir warst. Dann spürte ich nur mehr Frieden, denn ich hatte dich im Herzen. Ich war dir bis in den Tod treu.

Das müßt ihr Menschen erst noch lernen. Ich hoffe, daß Tommy nun glücklich mit seinem Frauerl ist.

Autor: © Sissi http://www.tierhilfe-gerasdorf.at.tt/

Natalie
23.11.2004, 04:26
MAHNMAL
Die Geschichte von Lea


Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin.
Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns.
Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell,
aber sie war oft krank und sehr dünn.
Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern.
Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben.

Als sie mich meiner Mutter wegnahmen,
hatte ich furchtbare Angst und war so traurig.
Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen
und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht.
Arme Mama, es ging ihr so schlecht.
Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten
und dass das Geschrei meiner Schwester und mir, ihnen auf die Nerven ginge.

So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht.
Wir kuschelten uns aneinander und fühlten wie wir beide zitterten ohnmächtig vor Angst.
Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche,
wir sind in einem "Petshop", einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt.
Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen.
Wir hören auch das Wimmern von anderen Welpen.
Meine Schwester und ich drücken uns eng zusammen in dem kleinen Käfig.
Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch um uns zu begutachten.
Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh.
Oft hören wir sagen "oh, sind die süß, ich will eines",
aber dann gehen die Leute wieder fort.

Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben.
ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt,
wie das Leben aus dem dünnen Körper gewichen ist.
Ich soll verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme.
Niemand beachtet mein leises Weinen, als meine kleine Schwester weggeworfen wird.


Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft!
Jetzt wird alles gut. Es sind sehr nette Leute,
die sich tatsächlich für mich entschieden haben.
Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf dabei
und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen.
Ihr Vater und ihre Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen.

Ich heiße jetzt Lea.

Ich darf meine neue Familie auch abschlabbern, das ist wunderbar.
Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht,
passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe.
Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und es gibt
nichts Schöneres als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.

Erster Besuch beim Tierarzt.
Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen.
Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft
und sagte es wäre o.k., dann entspannte ich mich.
Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen,
sie sahen ganz bestürzt aus. Ich hörte etwas von schweren Mängeln
und von Dysplasie E und von Herz zwei. Er sprach von wilden Zuchten
und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien.
Ich habe nichts von alledem begriffen,
aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen.

Jetzt bin ich sechs Monate alt.
Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark,
aber mir tut jede Bewegung weh. Die Schmerzen gehen nie weg.
Außerdem kriege ich gleich Atemnot,
wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will.
Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht.
Vater und Mutter sprechen über mich.
Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.

In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es
"genetisch" und "man kann nichts machen".
Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen,
möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht.
Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je.
Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken
nur noch schreien vor Schmerzen.

Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los?
War ich böse? Sind sie am Ende böse auf mich?
Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich.
Ach, wenn nur diese Schmerzen aufhörten!
Ich kann nicht einmal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchen ablecken,
aber wenigstens erreiche ich ihre Hand.

Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst.
Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben.
Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken.
Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich
und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft,
ein kleiner Stich ...... Gott sei Dank, der Schmerz geht zurück.
Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit.

Ein Traum:
Ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese.
Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Frieden und Glück.
So sage ich meiner Menschenfamilie "Auf Wiedersehen" auf die einzig mir mögliche Weise:
Mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.

Viele glückliche Jahre wollte ich mit euch verbringen, es sollte nicht sein.
Statt dessen habe ich euch so viel Kummer gemacht.
Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware.

Lea

Autor: © 1999 J. Ellis - bewilligte Übersetzung von E. Witter

Natalie
23.11.2004, 04:42
"Für eine Katze gibt es keinen triftigen Grund einem anderen Tier zu gehorchen, auch wenn es auf zwei Beinen steht."
Sarah Thompson


Wirklich großartig ist, daß es Katzen in allen Varianten gibt. Man findet sie passend zu jeder Einrichtung, jeder Art der Persönlichkeit und der Laune.
Aber unter dem Pelz lebt unverändert eine der freiesten Seelen der Welt.
Eric Gurney


"Einen Hund kann man sich halten, aber die Katze, die hält sich Menschen, weil sie findet, dass ihre Leute recht nützliche Haustiere sind."
George Mikes


"Ein Hund denkt:
Sie füttern mich, sie pflegen mich, sie kümmern sich um mich... sie müssen Götter sein.
Eine Katze denkt:
Sie füttern mich, sie pflegen mich, sie kümmern sich um mich... ich muss ein Gott sein."
Autor unbekannt

Natalie
23.11.2004, 04:47
Oh je....ich hoffe das waren nicht zu viele traurige Geschichten für euch!

Aber ich konnte mich einfach nicht für eine entscheiden.

Denn jede einzelne handelt ja auch von einem anderen Schicksal...wo bei das Ende ja leider meist das selbe ist. *schnief*

Ich hoffe es folgen jetzt noch ein paar lustige Geschichten!!!

Liebe Grüße, Natalie

Danica
23.11.2004, 13:22
Sorry, aber die traurigen/leidvollen Geschichten kann ich mir gar nicht durchlesen ohne anzufangen zu zittern und zu weinen. :cry: :cry: :cry:
Ich finde das so schrecklich!!
Wie geht ihr mit solchen Geschichten um? Was kann ich tun, damit es nicht sooooo nah an mich heran kommt???

Natalie
23.11.2004, 13:31
Hallo Dani!!!

Mir geht es ganz genauso wie dir!
Selbst wenn ich sie mehrmals lese...ich weine immer und beruhige mich erst langsam wieder! Besonders schlimm ist es mit "Wie konntest du nur"
Es tut so weh, es zu lesen.
Aber ich will mich auch gar nicht vor den Gefühlen schützen!
Ich will den Schmerz fühlen. Denn ich denke immer, je mehr Menschen diese Geschichten lesen und so fühlen wie wir es tun, um so besser wird die Welt vielleicht!
Klar, wir als einzelne können nicht mehr tun als weinen und uns fragen, "warum nur" sind Menschen so grausam!
Aber wenn auch nur jeden Tag ein einziger Mensch so was ließt, muß es doch einfach helfen, die Menschen irgendwann wach zu rütteln, die sowas tun können!
Kann auch sein, dass solche Menschen sich einfach abwenden und es nicht lesen....aber vielleicht bekomme sie es doch von jemandem erzählt, der anders denkt!

Liebe Grüße, Natalie

Natalie
06.12.2004, 19:40
Hallo Ihr lieben!
Nachdem nun so viele traurige und nachdenklichmachende Geschichten hier stehen, möchte ich nun mal wieder was lustiges einfügen!!!

Klickt einfach auf den Link hier!
http://svt.se/hogafflahage/hogafflaHage_site/Kor/hestekor.swf
Die Pferde die ihr da seht können nicht nur sprechen sondern sogar singen!!!
Klickt einfach auf jedes Pferd und los gehts!
Zum ausschalten einfach nochmal auf die Pferde klicken!
Viel spaß dabei!!!
Eure Natalie

Feline
07.12.2004, 18:04
looooooooooooooooooooool!!!! :lol: :lol: :lol:
ich lach mich weg!!!
die singenden pferde sind echt lustig!!danke für den link natalie!!
das lässt einem nach den traurigen geschichten gleich das herz wieder höher schlagen!

ich habe auch noch eine lustige geschichte,die mir vor 2 jahren mal passiert ist!

da sind meine freundin und ich mit unseren ponys ins bundeswehrgebiet geritten(darf man ja eigentlich nicht ist aber ein soooo schönes gelände)!!
als wir dann gerade in der sandwüste waren war auf einem weg eine dicke panzerspur,in der sich wasser gesammelt hatte!bin da mit franzi rangeritten und hab ihr die zügel gegeben;und dann fings an:als erstes steckte sie ihre gesamte nase in den motter,nicht in die pfütze sondern wirklich in den motter drumrum! :lol: da fing sie dann an ihre nase hin und her zu bewegen,wie son trüffelschwein!!da wars vorbei ich musste so lachen,konnte mich kaum noch auf ihrem rücken halten!es sah aus wie brauner wackelpudding!! :lol:
dann ging sie in die schlammpfütze und fing an mit ihren hufen zu schaben,ich konnte gerade noch rechtzeitig abspringen da lag franzi schon in dieser pfütze und hat es genossen sich dadrin zu sulen!!
dann stand sie wieder auf und sah aus wie ein ferkel und hat auch dementsprechend gerochen!musste dann noch den ganzen weg nach hause mit diesem dreckigen stinkigen :lol: pferd nach hause reiten!zu hause war dann erstmal pferd und sattelschrubben angesagt :lol: aber da war der motter zum glück schon getrocknet!

Natalie
07.12.2004, 18:08
Lach mich weg!
Auch eine sehr gute Geschichte!!!
Ich kann gut nachfühlen wie du dich gefühlt haben mußt als du beinahe mit baden gegangen wärst;-) Und dann der ritt nach hause....oh je, lol

Mit mir ist auch mal ein pfard so baden gegangen, aber zum glück war das ein bach! also waren wir 2 nur pitschnaß und nicht schlammig!

Vielen Dank für deine Story!!!

maybelline
08.12.2004, 00:31
Ein Gedicht, das ich vor etwa 2 1/2 Jahren geschrieben habe:

Anklage

Wieso zaehlt mein Leben soviel weniger
als das Deine?
Wir beide leben doch. Leben auf einmal wertlos.

Wieso sagtest du mir, dass du mich liebst?
Nur Worte aus deinem Mund
ohne Wahrheit. Liebe ist anders.

Als wir uns kennenlernten meintest du:
'Es soll fuer immer sein'.
Ist 'immer' schon vorbei? Immer ist ewig.

Als du mich zu dir holtest, sagtest du:
'Nie mehr ohne dich'.
Und jetzt? Nie war gestern.

Jetzt blicke ich allein zurueck, einsam.
Hatten eine lange schoene Zeit gemeinsam.
Aber alles im Gestern. Kein morgen mehr.

Mit der Zeit bin ich aelter geworden, mein Koerper.
Aber ich bin immer noch ich.
Zu alt fuer dich? Verstehe nicht warum.

Unsere Zeit war so schoen, teilten Freud und Leid.
Du suchst jetzt nach 'was juengerem'.
Aber du hattest doch mich! Alter das wichtigste?

Gestern, alles was wir hatten, vorbei fuer immer.
Heute bin ich wertlos.
Morgen mein letzter Tag. Tod als Erloesung.

Ich wollte noch so viel erleben, gemeinsam mit dir.
Meine Zukunft hast du weggewischt.
Ueber mein Leben entschieden. Warum?

Ein ganzes Leben zusammen, es war perfekt.
Dir meine ganze Liebe geschenkt.
Meine Liebe zu dir stirbt mit mir. Deine Tat.

Wieso verurteilst du mich zum Tode?
Ich habe doch nichts gemacht.
Wollte nur leben. Mit dir.

Natalie
09.12.2004, 14:26
Oh kim!
Das gedicht ist so traurig-schön und auch leider oft so wahr! :cry:

Ganz vielen lieben Dank dafür! :knuddel:

sky
09.12.2004, 21:19
liebe natalie,

danke, dass du dieses thema aufgemacht hast, ich hatte auch schon so eine idee. woher hast du nur deine geschichten? mein schreibtisch ist schon wieder voll mit taschentüchern....

hier etwas, das mich immer wieder sehr berührt, vielleicht weil ich manchmal auch diese sehnsucht spüre und nicht weiss, woher sie kommt...

"Wenn die Wildenten zur Flugzeit über das Land streichen, erzeugen sie sonderbare Wirkungen. Die zahmen Enten versuchen ungeschickte Sprünge, geheimnisvoll angezogen von dem grossen Winkel, den der Schwarm da oben am Himmel bildet. Der wilde Schrei hat in ihnen eine Spur Wildheit geweckt. Für eine Minute werden die Bauernenten wieder Zugvögel. In dem kleinen harten Vogelkopf, in dem nur bescheidene Bilder von Teichen, Würmern und Geflügelhöfen lebten, entwickeln sich Weiten von Erdteilen, Freude am freien Wind, an den Gestaltungen der Meere. Das Tier hatte vorher keine Ahnung, dass in seinem Kopfe Raum für so viel Wunder war. Nun schlägt es mit den Flügeln, verachtet die Körner und die Würmer und will eine Wildente sein.

Ich muss auch an meine Gazellen denken. In Juby folgte ich der Mode und hatte eine Gazellenzucht. Wir hielten die Tiere in einem vergitterten Stall in freier Luft, denn Gazellen brauchen ungehinderten Luftstrom. Sie sind so wenig widerstandsfähig! Aber sie bleiben am Leben, wenn sie jung genug eingefangen worden sind und fressen einem aus der Hand, lassen sich streicheln und stecken ihre feuchten Muffeln in die hohle Handfläche.
Man könnte sie für völlig gezähmt halten. Nichts mehr lässt das unerforschliche Freiheitssehnen ahnen, das sonst die Gazellen lautlos verlöschen lässt und ihnen einen stillen Tod schenkt. Aber es kommt ein Tag, da findet man seine Tiere an der Wüstenseite des Verschlages, gegen den sie ihre kleinen Hörner stemmen, wie von Magneten angezogen. Sie wissen nicht, dass sie den Menschen fliehen; freundlich trinken sie die Milch, die er ihnen bringt, sie lassen sich streicheln und stecken noch zärtlicher ihre Muffeln in seine Hand. Kaum aber lässt er sie allein, da gibt es im Verschlag so etwas wie einen freudigen Galopp. Er führt aber nur zurück zum Gitter.

Und wenn der Mensch sich nicht um sie kümmert, bleiben sie dort bis zum Tode. Sie versuchen nicht einmal, gegen die Schranken anzurennen. Sie lehnen nur die gesenkten Köpfe dagegen.
Ist es der Ruf der Liebe oder nur die Sehnsucht nach einem atemlosen Lauf durch die Weite? Sie wissen es selbst nicht. Ihre Augen waren ja noch nicht offen, als man sie einfing. Sie kennen die Freiheit so wenig wie die Witterung des Bockes. Aber der Mensch, der mehr von ihnen weiss als sie selbst, sieht deutlich, was sie suchen: die Welt und ihre Erfüllung darin.

Sie wollen Gazellen sein und ihren Tanz tanzen. Sie wollen geradlinig dahin flüchten, hundert Kilometer in der Stunde, mit eingeschobenen Spähersätzen, die so aussehen, als ob der Sand da und dort Flammen empor schicke.
Was kümmern sie sich um Schakale, wenn es die Wahrheit der Gazellen ist, in der Furcht zu leben, die allein ihnen Höchstleistungen abringt?
Was kümmert sie der Löwe, wenn es ihre Wahrheit ist, unter der glühenden Sonne, von seiner Pranke zerfleischt zu werden?
Ihr Pfleger sieht sie und weiss, dass sie das Heimweh erfasst hat, das Heimweh, die Sehnsucht nach dem unbekannten Ziele. Es ist wirklich ihr Ziel, auch wenn wir keinen Namen dafür wissen."

Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne

liebe grüsse, nathalie

Natalie
09.12.2004, 21:30
Hallo Nathalie! (noch eine Namensschwester:-) )
Diese Geschichte ist auch wunderschön und traurig!!!
Ich freu mich jedes Mal so sehr, wenn jemand noch eine Geschichte hat!
Vielen Dank!

Übrigens sind die Geschichten und Gedichte von mir alle aus dem Internet zusammen gesucht!

Liebe Grüße, Natalie

sky
09.12.2004, 22:16
liebe natalie, wenn ich nur nicht immer heulen müsste :D .....

dies schrieb ich für meine bandit....

Du fehlst mir so

Du fehlst mir, die, die an meinem Lederärmel zog, sich heimlich über Frühstückstisch und Mülleimer hermachte :D ; die meinen Einkauf und die Zeitung trug, als Clown sich benahm, wenn ich traurig war :funny: ; die schnarchen konnte wie ein Mann :shock: ; Essen in Überschallgeschwindigkeit verschwinden liess, sich auf dem Sofa und im Bett breit machte wie ein Elefant; mir meine Kekse und anderen die Hühnerbeine stahl; einem durch lautes Gefiepe auch noch den letzten Nerv rauben konnte :shock: , mir nach dem Fallschirmspringen immer die Lederkappe trug :) , ein Kissen als Beute brachte; den Fön heiss und innig liebte, manchmal auch Blumen ass, beim Fotografieren nie stillhalten konnte, aber anderen immer im Bild stand; Schwimmen und Plantschen ebenso wie Spielen für lebensnotwendig hielt :D , mich durch den „Clarence-Blick“ immer zum Lachen brachte :lol: , Schnee auch sehr lecker fand, Schlammpfützen der Dusche vorzog, Wildschweine nicht von Hunden unterscheiden konnte; Wettrennen mit dem Fahrrad liebte, eigentlich niemals leise oder satt war :lol: ; Ohren wie Tragflächen hatte und die schönsten Hundefüsse der Welt :) , die von einem Ohr zum anderen grinsen konnte; sich die Notre-Dame auch mal von innen ansah, keine Flugangst hatte; so wohlig grunzen konnte, dass andere dachten, sie würden durch Knurren bedroht; die immer wusste, wenn man von ihr sprach, regelmässig Bälle, Schnuller und anderes Spielzeug anschleppte, über das ich ebenso regelmässig stolperte :twisted: ; dem Hasen auch noch seine letzte Möhre klaute, Wärme auch so liebte wie ich; von Hamstern und Mäusen sehr fasziniert war, mich niemals im Stich liess :love: ; jedes Wort verstand, „weitgereist und weltgewandt“, die Talino verpetzen konnte wie ein Kind; jedem glaubhaft vermitteln konnte, es handele sich um einen völlig ausgehungerten Hund :) ; die als Baby mal in einen Schuhkarton passte und rosa Füsse hatte :love: ; sich einfach auf Talino drauf legte, wenn das Sofa besetzt war; der man nichts verheimlichen konnte, die immer ein viel zu grosses Fell hatte und deren bester Freund der Bretzelmann in den Cafes war.
Du fehlst mir so. 1996
:love:

Natalie
09.12.2004, 22:26
Oh was ein schönes Andenken, Nathalie! (schnief und lächel zur selben Zeit)

Ich fang jetzt schon an zu weinen wenn ich nur dran denke, dass mein shadow auch eines Tages gehen muß...es ist unvorstellbar!
aber durch dieses forum nun weiß ich, dass er auch zu mir zurück kehren kann, wenn er möchte! Das beruhigt mich ein wenig!
Wenn auch ich dennoch jetzt schon Angst habe, dass ich ihn dann vielleicht gar nicht erkennen werde. Aber das ist wohl ausgeschlossen, wenn wir uns wirklich wieder finden wollen, was ich unbedingt will, werden wir es auch!

Liebe Grüße, Natalie

sky
09.12.2004, 22:30
liebe natalie,

du hast recht, und denk nicht an das ende. die zeit vergeht eh viel zu schnell.
auch ich hoffe, dass beide zu mir zurückkommen, das wär ein wundervolles geschenk....wir waren die vier musketiere :D

*seufz*
lieben gruss

nathalie

Aranka
10.12.2004, 10:47
Ein paar Tage diesen Tread nicht angeschaut und schwups wieder so viel Neues drin!
Ich kann nicht immer hier lesen, denn sonst müßte ich zu viel trinken um meinen Flüssigkeitsverlust auszugleichen, aber ab und zu muß es doch sein...
Vielen Dank für die neuen zum Teil ja doch sehr privaten Texte! :knuddel:

sky
10.12.2004, 22:26
ich hätte da noch einen - vielleicht bringt es euch ja zum lachen :)


Die Diebe vom Flugplatz

Fallschirmspringer sind zugegebenermassen ein eigenes Völkchen. Nun ja,… Hunde auch :D . Und obwohl Hunde beim Fallschirmspringen grundsätzlich nicht sehr beliebt sind, schon gar nicht ohne Leine (wer landet schon gerne in einem Hundehaufen :shock: oder findet gern an seinem Schirm einige Tropfen nettgemeinter Reviermarkierung :shock: ?), waren meine Beiden jahrelange treue Begleiter auf Flugplätzen. Prima, da gibt es schliesslich Kaninchen, Mäuse, leckere Picknickkörbe von nichts ahnenden Tandemgästen und - natürlich Mülleimer :P .

Vielleicht eine kleine Erklärung zur Vorgeschichte des unschlagbaren Teams: Bandit (Bibo Beutlinger) war passionierte Mülltütenspezialistin, und Talino (DrFrosch), seines Zeichens Herzensbrecher, hat sich in seiner Wachs- und Gedeihensphase nicht nur die positiven Eigenschaften bei der Dame des Hauses abgeschaut. Nein, der Lerneffekt ging bei beiden so weit, dass sie ein mehr als effektives Team bildeten, das ungesehen Hunderte von Mülltonnen und- tüten auf dem Gewissen hatte :D .

Tatort Höxter Flugplatz, „Zeltplatz“: ein sonniges Sommerwochenende, viele Sprünge, abendliche Lagerfeuer, Grillen, Geselligkeit und – reiche Beute.
Während nämlich des nachts alle nach einem reichlichen Grillabend einem hoffentlich blauen Himmel entgegen schliefen, waren „Dick+Doof“ unterwegs auf Beutezug. Denn nichts ist einfacher, als mit der grossen Gummi-Hundenase den Reissverschluss eines Zeltes aufzuschieben, um dann ungestört die grosse Mülltütenorgie zu begehen :D .

Welch ein Schmaus!
Es muss ein stundenlanges, ausgiebiges Fressgelage gewesen sein, zumindest nach den Überresten der Überreste zu urteilen. Und prompt wurde ich am nächsten Morgen energisch aus dem Schlaf geweckt, hörte schlaftrunken :? den laufenden Motor eines Flugzeugs und krabbelte aus meinem Zelt.

Der Anblick, der sich mir in diesem Augenblick bot, war unbeschreiblich, mein Aufzug noch mehr :oops: . Auf dem Rollweg stand wartend eine Cessna. Das Flugzeug konnte seinen Weg zur Startbahn nicht fortsetzen – über das gesamte Ausmass des Rollweges waren Abfälle aller Art wunderbar drappiert und grosszügig verteilt. Da half nichts (das Leben ist manchmal so erbarmungslos), ich musste, recht spärlich bekleidet und mit grad halboffenen Augen die peinlichen Überreste des nächtlichen Gelages wegräumen:roll: . Ein Königreich für einen Tunnel…. :oops:

Nachdem ich die Peinlichkeit hinter mich gebracht hatte, hatte ich das ureigene Bedürfnis, etwas sehr Dringendes mit zwei ganz bestimmten schwarzen Vierbeinern klären zu müssen :evil: :evil: . Nur dumm, dass von diesen beiden jede Spur fehlte. Was ich mir Momente vorher gewünscht hatte, praktizierten sie offenbar mit Leichtigkeit – sich unsichtbar machen! Da half auch kein Rufen, Monsieur und Madame hatten es vorgezogen, eiligst den Ort des erquicklichen Betriebsausfluges zu verlassen….

…wohl bekomm’s…
:D

Natalie
10.12.2004, 23:24
Hallo Nathalie!!!
:D :lol: :D :lol: :D :lol: :D :lol: :D :lol:
Ich lach mich schlapp! Du arme hast da ja echt ne menge zu tun gehabt!
Kann es mir bildlich vorstellen wie das Feld da aussah!

Super tolle Geschichte!!! :knuddel:


PS.: wenn du in Höxter warst ist dass ja direkt um die Ecke! Ich wohn 12 km weiter weg!
Bist du da etwa öfter?

Liebe Grüße, Natalie

sky
11.12.2004, 11:58
hi natalie, schön, dass sie dich zum lachen gebracht hat:)
nein, in höxter springe ich eigentlich nicht mehr, mein verein ist nach der wende ins umland von berlin gezogen. schöne ecke, das weserbergland:)
lieben frostgruss - hier ist alles mit weissen frostkristallen überzogen *bibber*

sky
11.12.2004, 18:59
„Der Hund ist nie aus dem Paradies vertrieben worden. […] er weiss nichts von der Dualität von Körper und Seele, und er weiss nicht was Ekel ist. […] (und deshalb ist es so gefährlich, ein Tier in eine belebte Maschine, eine Kuh in einen Milchautomaten zu verwandeln: der Mensch schneidet auf diese Weise die Schnur durch, die ihn mit dem Paradies verbindet, und nichts wird ihn aufhalten, nichts wird ihn trösten können auf seinem Flug durch die Leere der Zeit.)“

„Diese Liebe ist selbstlos: […] Sie hat sich niemals die Fragen gestellt, von denen die Menschenpaare gequält werden: liebt er mich? Hat er jemanden anderen mehr geliebt als mich? Liebt er mich mehr als ich ihn liebe? […] Möglich, dass wir nicht fähig sind zu lieben, gerade weil wir vom anderen etwas wollen (die Liebe), anstatt ohne Ansprüche auf ihn zuzugehen und nichts als seine Gegenwart zu wollen.“

„Und vor allem: kein Mensch kann einem anderen Menschen die Idylle zum Geschenk machen. Das vermag nur ein Tier, weil es nicht aus dem Paradies vertrieben worden ist. Die Liebe zwischen Mensch und Hund ist idyllisch.“

Milan Kundera, Unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Aranka
14.12.2004, 10:04
grad fliegt meine Grisu wie wild durch´s Zimmer! Ich guck und da sind auf dem Balkon (da ist ein Futterhaus) 2 Amseln. Grisu hat sie entdeckt und is rumgeflogen darum. Dann sitzt sie auf dem Käfig und schaut raus! Finn hat es bemerkt und stürmt sofort nach draußen auf den Käfig und knutscht seine Grisu so als ob er eifersüchtig auf die Amseln wäre! Das sah so witzig aus. Er sich genau vor Grisu gesetzt damit sie auch ja nicht nach draußen schauen konnte! :lol:

Jenny
19.12.2004, 17:45
Ein alter Mann und sein Hund spazierten einen schmutzigen Weg entlang. Auf beiden Seiten des Weges waren Zäune. Sie kamen zu einer Türe im Zaun und schauten in das Grundstück. Dort gab es schöne Wiesen und Waldstücke, genauso wie sie es lieben. Auf eine Schild stand jedoch: "DURCHGANG VERBOTEN !"

Daher gingen die beiden weiter. Da kamen sie an ein schönes Tor, in welchem eine Person in weißer Robe stand. "Willkommen im Himmel" sagte er. Der alte Mann war glücklich und wollte geradewegs mit seinem Hund eintreten.
Doch der Torwächter stoppte ihn. "Es tut mir leid, aber Hunde sind hier nicht erlaubt" sagte er.
"Was soll denn das für ein Himmel sein, indem Hunde nicht erlaubt sind ?" entgegnete der alte Mann. "Wenn er nicht mit hinein darf, dann will auch ich lieber draußen bleiben. Er war mein ganzes Leben lang mein treuer Begleiter; da kann ich ihn doch jetzt nicht einfach zurücklassen !"
"Sie müssen wissen, was sie tun" erwiderte der Herr in der weißen Robe. "Aber ich warne Sie: der Teufel ist auf diesem Weg und wird versuchen, Sie zu überreden bei ihm einzukehren. Er wird Ihnen alles mögliche versprechen - aber auch bei ihm sind Hunde nicht willkommen. Wenn Sie Ihren Hund jetzt nicht hier zurücklassen, werden Sie in alle Ewigkeit auf diesem schmutzigen, steinigen Weg bleiben müssen."

Der alte Mann warf seinem Hund einen liebevollen Blick zu und ging mit ihm weiter.

Endlich kamen sie an einen alten, morschen, fast zusammengebrochenen Zaun ohne Tor. Ein ebenso alter Mann stand dahinter.
"Entschuldigen Sie, mein Hund und ich sind sehr müde" sagte der alte Mann. "Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir hereinkommen und uns ein bißchen in den Schatten setzen ?"
"Aber nein" antwortete der alte Mann. "Kommen Sie ruhig herein und machen sie es sich bequem. Dort drüben unter dem Baum ist auch Wasser."
"Macht es Ihnen wirklich nichts aus, wenn ich meinen Hund mit hereinbringe ? Der Mann dort unten an der Straße sagte mir, daß Hunde hier nirgendwo erlaubt seien.
"Ja würden Sie denn hereinkommen, wenn Ihr Hund draußen bleiben müßte ?"
"Nein, mein Herr" erwiderte der Alte. "Darum bin ich ja auch nicht in den Himmel gegangen, weil Hunde dort nicht willkommen sind. Da bleiben wir wir lieber bis in alle Ewigkeit auf der staubigen Landstraße.
Aber mit ein wenig Wasser und Schatten wären wir wohl zufrieden. Ich komme auf keinen Fall herein, falls mein Liebling draußen bleiben muß."
Da lächelte der alte Mann: "WILLKOMMEN IM HIMMEL !" sagte er freundlich.

aus "Das kleine Licht" von der Tierhilfe Aurora

Johanna
19.12.2004, 17:49
Was für eine wunderschöne Geschichte!! :)

Danica
22.12.2004, 09:01
Hallo Dani!!!

Mir geht es ganz genauso wie dir!
Selbst wenn ich sie mehrmals lese...
.
.
Aber ich will mich auch gar nicht vor den Gefühlen schützen!
Ich will den Schmerz fühlen. Denn ich denke immer, je mehr Menschen diese Geschichten lesen und so fühlen wie wir es tun, um so besser wird die Welt vielleicht!
Kann auch sein, dass solche Menschen sich einfach abwenden und es nicht lesen....aber vielleicht bekomme sie es doch von jemandem erzählt, der anders denkt!
.
.


Liebe Natalie,

ich hoffe Du hast Recht und die Geschichten, die so an meinen Gefühlen reißen, ringen auch ans Ohr der Menschen, die sie eigentlich mal hören sollten, um auch mal ihre Gefühle so anzukratzen und um zu bemerken, dass es falsch ist, was sie tun und dass man es ändern kann, wenn man nur will.
Denn vor den Tatsachen die Augen zu verschließen, ist wohl so ziemlich das schlimmste, was man tun kann.

LG,
Dani

maybelline
22.12.2004, 23:20
Niko´s Weihnachtsmann

von Heidi Winkelmann

Stets hatte Floh, die braune Mischlingshündin, ihrem Herrn, den Bauern Mehwald, treu gedient. Sie bellte mutig, wenn Fremde auf den Hof kamen und achtete auf die Kinder des Bauern, wenn sie in der Nähe des kleinen Baches spielten. Einmal war es ihr sogar gelungen, mit lautem Gebell einen Fuchs zu verjagen, bevor er in den Hühnerstall einrechen konnte.

Sie führte nicht gerade ein luxeriöses Leben, seit sie vor sechs Jahren als Welpe auf den Hof kam, aber sie konnte zufrieden sein. Im Stall fand sich immer ein warmes Plätzchen zum Schlafen im Stroh, zu Fressen gab es auch genug und ab und zu steckte die Bäuerin einen Leckerbissen zu. Besonders liebte Floh die Kinder, die mit ihr tobten und spielten.

Wenn die Zeit kam, dass Floh läufig wurde, sperrte sie die Bäuerin in den Auslauf zu den Hühnern. Doch diesmal hatte die Bäuerin nicht aufgepaßt und Rex, der Hund von Bauern Lars hatte die Gelegenheit genutzt und nun bekam Floh Babys.

Die Wochen waren vergangen und irgendwann ließ sich das Mißgeschick nicht mehr verheimlichen. Anfang November warf Floh fünf Welpen. Die Bäuerin hatte ihr eine Kiste in der warmen Küche zurecht gemacht und ihr bei der Geburt beigestanden.

Am Nachmittag kam der Bauer mit einem Korb, nahm die fünf Welpen, legte sie hinein und verließ die Küche. Floh war außer sich, warum nahm man ihr die Welpen weg, was sollte mit ihnen geschehen. Sie schrie und winselte, bellte und sprang an der Bäuerin hoch. Doch diese sah sie nur traurig an, streichelte sie und gab ihr ein paar Leckerbissen. Floh wollte sich aber nicht beruhigen, sie rannte zur Tür und kratzte jaulend daran. Bis die Bäuerin sie dann nach einer Stunde hinaus ließ.

Floh lief umher und suchte, schaute in jede Ecke und schnupperte überall herum. Sie war so verzweifelt, doch sie konnte ihre Welpen nicht finden. Irgendwann trieb sie ihr Instinkt zum Misthaufen, und da lagen die Welpen. TOT! Der Bauer hatte sie alle getötet und dann dorthin geworfen.

Floh sah ihre Welpen und leckte über die kleinen Körper. Auf einmal war es ihr, als hätte einer der Welpen gezuckt, sie leckte nochmals und schnupperte, tatsächlich einer der Welpen schien noch am Leben zu sein.
Sie nahm ihn vorsichtig ins Maul und trug ihn in den warmen Stall, in eine Ecke, wo sie sich manchmal versteckte, um einen Knochen, den sie bekommen hatte, in Ruhe aufzufressen. Hier lagen ein paar alte Säcke und ein bißchen Stroh, auf das sie jetzt ihren Welpen legte.

Viel Leben war nicht mehr in ihm. Er zuckte schwach und ab und zu wimmerte er kaum hörbar. Floh leckte zärtlich über den kleinen kalten Körper, bis er wieder ganz warm war, dann legte sie sich so zurecht, daß er an einer ihrer Zitzen trinken konnte. Die Wärme und die Nahrung ließen den Welpen wieder zu sich kommen. Bald schon trank er kräftig seine Milch.

Floh war glücklich, aller Kummer war vergessen, sie hatte ein Baby. Zärtlich schaute sie den kleinen Rüden an: " Ich werde dich NIKO nennen, denn bald ist Nikolaus und daran erinnere ich mich gerne". Beschenkte doch die Bäuerin alle Tiere des Hofes am Nikolausmorgen. Letztes Jahr gab es für Floh ein neues Halsband und einen großen Hundekuchen.

Floh liebte den kleinen Niko. So oft sie konnte war sie bei ihm. Hierbei mußte sie immer sehr vorsichtig sein; denn niemand durfte merken, daß es Niko gab. Nach 14 Tagen merkte Floh glücklich: Niko öffnete die Augen. Er konnte jetzt sehen und hören. Wie alle Mütter, so auch Hundemütter, sang sie ihrem Sohn Lieder vor. Sie streichelte ihn mit ihrer Zunge und als Niko die ersten Gehversuche machte, unterstützte sie ihn mit ihrer Schnauze.

Floh war keine erfahrene Hundemutter, sonst hätte sie schon früher bemerkt, daß mit Niko etwas nicht stimmte. Er konnte sich auf den Vorderbeinen hochstemmen, doch die Hinterbeine gehorchten ihm nicht, nur die Schwanzspitze bewegte sich etwas, wenn er seine Mutter begrüßte. Floh ermunterte ihren Sohn, es immer wieder zu probieren, wobei sie ihm soweit es ihr möglich war, half. Irgendwann begriff sie, Niko würde nie laufen können. Floh war verzweifelt, sie weinte viel.

Die Tage vergingen, Niko wurde älter und fragte sie immer öfter: "Wie lange dauert es noch, bis ich gehen und laufen kann, und wann gehst Du mit mir hinaus?"

Niko verbrachte seine Tage damit, aus seinem Versteck heraus, die anderen Tiere zu beobachten. Gespannt lauschte er den Geschichten, die sie sich untereinander erzählten. Wenn Floh zu ihm kam, bestürmte er sie immer mit tausend Fragen: "Mutter, was ist Gras - Mutter, was sind Blätter - Mutter was ist Schnee und Mutter, was ist Weihnachten und was ist ein Weihnachtsmann?"

Floh beantwortete ihm so gut es ging seine Fragen. Einmal brachte sie ihm ein trockenes Blatt mit. Ein anderes mal hatte sie einen Schneeball im Maul. So lernte Niko durch Erzählungen die Außenwelt kennen.

Floh wollte nicht wahrhaben, wie krank Niko wirklich war, trotz ihrer Pflege und Zuwendung wurde er immer schwächer. So gerne sie es wollte, sie vermochte ihm nicht zu helfen.

Es war Heilig Abend und die Bäuerin bedachte alle Tiere mit einem Geschenk. Floh schenkte sie eine neue Futterschüssel in der eine große Keule vom Gänsebraten lag.

Floh dachte nur an Niko und wollte nicht in der warmen Stube unter dem Tannenbaum liegen. Sie kratzte so lange an der Tür, bis die Kinder sie hinaus ließen.

Sofort lief sie zu Niko in den Stall um ihm die Gänsekeule zu bringen. Aufgeregt erwartete Niko sie, seine Stimme überschlug sich, als er sie fragte: "Mutter wie sieht ein Tannenbaum aus, Mutter was sind Kerzen, Mutter kennst Du ein Weihnachtslied? Sing es mir bitte und erzähl mir eine Weihnachtsgeschichte."

Als Floh das Lied "Stille Nacht" anschlug, sangen alle Tiere des Stalles mit. Es war ein prächtiger Chor. Es war eine feierliche Stimmung und die Tiere beschlossen noch einige Geschichten zu erzählen.
Es waren lustige Geschichten und alle Tiere lachten laut. Als sich die Stimmung wieder beruhigt hatte, erzählte Floh noch die Weihnachtsgeschichte. Sie änderte die Geschichte nur ein wenig ab. Niko zuliebe erzählte sie, daß ein Hund die Krippe mit dem Christuskind warmgehalten hatte. Niko hörte allen Geschichten aufmerksam zu. "Mutter" fragte Niko "kommt der Weihnachtsmann auch zu kleinen Hundekindern? Dürfen Hundekinder sich auch etwas zu Weihnachten wünschen? Mutter ich möchte so gerne laufen können und draußen spielen und Löcher graben. Meinst Du, wenn ich ganz doll drum bitte, der Weihnachtsmann erfüllt mir meinen Wunsch?"

Floh war es sehr schwer ums Herz und wie Mütter sind, griff sie zu einer Notlüge: "Ja Niko, auch wenn Hundekinder sich etwas wünschen, kommt der Weihnachtsmann."

Im Stall war Ruhe eingekehrt. Alle Tiere schliefen.
Eng aneinander gekuschelt schliefen auch Floh und Niko ein. Floh - tot unglücklich ihrem Sohn nicht helfen zu können und Niko in freudiger Erwartung, daß der Weihnachtsmann ihm über Nacht seinen Wunsch erfüllen würde.

Irgendetwas hatte Floh geweckt; die anderen Tiere im Stall waren auch erwacht. Floh schlägt die Augen auf. Im Stall, ganz hoch oben unterm Dach, leuchtet ein kleiner Stern und seine Strahlen fallen auf Niko.

Er hat seine Augen weit geöffnet und sein Gesicht strahlt vor Glück. Floh spricht ihn an, aber er scheint sie nicht zu hören. Seine Vorderbeine bewegen sich, als liefe er über Felder, seine Rute schlägt, er bellt, er winselt: "Mutter es ist so schön. Der Weihnachtsmann hat mich gestreichelt, und ich kann laufen. Ich laufe über die Wiese und jage Schmetterlinge, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, und die Blumen duften so wundervoll, es ist alles noch schöner als Du es mir immer erzählt hast. Ich fühle mich so leicht, so glücklich, so zufrieden. Meine Beine - sieh doch, wie schnell ich laufen kann!"

Floh weinte, sie sieht, wie in Nikos glücklichem Gesicht die Augen aufleuchten. Sein kleiner Kopf sinkt auf´s Stroh.

Der Stern erlischt. Es ist still im Stall. Nur ab und an hört man ein leises Seufzen der anderen Tier. Floh schließt die Augen. Trotz ihrer Trauer weint sie nicht mehr.

Am Himmel fährt der Weihnachtsmann mit seinem - von 6 Rentieren gezogenen - Schlitten davon. Voran tobt, vor Freude und Übermut laut bellend, ein kleiner brauner Welpe.


Um den Hals trägt er ein rotes Halsband auf dem geschrieben steht:
"NIKO - Gehilfe des Weihnachtsmannes"

Natalie
23.12.2004, 01:23
Hallo ihr Lieben!!!
Ganz vielen Dank für die ganzen schönen und zum teil auch traurigen Geschichten!
Zwischendurch hab ich auch mal wieder Rotz und Wasser gehäult...aber das befreit auch danach etwas!
Bitte macht weiter und stellt alles hier rein was ihr kennt oder irgendwo findet!
Alles liebe wünscht eine gerade total aufgelößte Natalie (habe Kim´s Geschichte gerade gelesen. die anderen hatte ich schon vor ein paar Tagen gelesen! Mehrere an einem Tag schaff ich dann doch nicht Wenn sie traurig sind!

Aranka
23.12.2004, 16:51
ach kim diese geschichte is ja so schön auch wenn sie traurig ist - zumindest einerseits... *heul*

Karo
23.12.2004, 17:18
Die traurig schöne Geschichte von Niko hab ich schonmal gelesen... und ich muss immer wieder Rotz und Wasser heulen :cry:
Danke!

Gandalf
23.12.2004, 17:49
bruder immanuels weihnachtsfest mit den tieren

es ist eine schwere zeit für die tiere, wenn der schnee fällt und die wunder des waldes in den schoss der erde zurück sinken. viele vögel ziehen fort, weil sie eine solche kälte nicht ertragen können, und viele tiere verkriechen sich in ihre höhlen und nester, um den winterschlaf zu halten und auf der schwelle zwischen dieser und jener welt zu warten, bis die keime des lebens sich wieder zu regen beginnen. diese tiere haben es leichter als die anderen. es gibt aber auch viele, die den kampf mit dem winter aufnehmen. es muss wohl seinen grund haben, dass sie es tun, vielleicht ist es eine aufgabe im geheimnisvollen lauf der dinge.

bruder immanuel half ihnen mit den geringen mitteln, die er hatte, aber er konnte nicht immer allen helfen, und es war dies ein sehr bedrückendes bewusstsein für ihn.

noch bedrückender empfand er diese armut den jüngeren brüdern gegenüber, als weihnachten herannahte. er sah es deutlich, dass weihnachten kam, denn er sah mit seinen inneren augen, wie die erde in ihren tiefen immer leuchtender wurde, als strahlten die vielen in sie versenkten keime kleine flammen aus und verbänden sich gegenseitig in ihren vielfältigen formen zu einer schrift des zukünftigen lebens, das um ostern erwachen sollte. auch in den bäumen, die im eisigen sturmwind standen, war dieses innere leuchten, und es war eigentlich so, dass der ganze wald ein meer von kleinen lichtern war, obwohl das alles in eis und schnee wie in einer decke des todes verhüllt war. aber der tod ist ja überall nur scheinbares. so nahm das innere licht der erde von tag zu tag zu, und die heilige nacht rückte immer näher.

bruder immanuel hatte reichlich samen, der er gezogen, für die vögel zurecht gelegt, kohl und rüben für die hirsche, rehe und hasen, und nüsse und getrocknete pilze für die eichhörnchen und andere nager. für raubtiere und für die fische im bach hatte er brot bereitgestellt. aber bruder immanuel fragte sich, ob es für alle genügen würde, die er zur weihnacht zu gast bitten wollte. denn es war ärmlich, wenn er bedachte, wie viele tiere des waldes kommen würden, wenn er sie rief.

jedenfalls beschloss er, alles herzugeben, was er hatte, und das eichhörnchen hatte fleissig geholfen, die vorräte zu sammen zu stellen, so dass es hübsch und gefällig aussah und man gleich sehen konnte, dass es kein gewöhnlicher tisch, sondern eine feiertafel der weihnacht war. sonst hatte das eichhörnchen bis zu diesen tagen der vorbereitung viel geschlafen, denn es vertrug den winter auch nicht sonderlich gut. nur dazwischen stand es auf, rieb sich die augen mit den pfoten, verspeiste eine nuss oder einen getrockneten pilz oder warf einige äste in das feuer, das bruder immanuel ständig unterhielt. bruder immanuel aber war schon lange vor weihnacht in den wald hinausgegangen und hatte allen tieren, denen er begegnete, gesagt, dass er seine jüngeren brüder einlade, weihnacht mit ihm zu feiern, und die tiere hatte sich vielmals bedankt, und es hatte es einer dem anderen weiter gesagt. am nachmittag vor der heiligen nacht fachte bruder immanuel das feuer in seiner hütte an und öffnete die tür in die weisse schneelandschaft hinaus, so dass ein zuckendes flammenspiel über sie hinlief. die tür hatte er mit tannengrün bekränzt, und vor der hütte hatte er alle seine vorräte ausgebreitet, und es brannte eine kerze. das eichhörnchen sass davor und sah andachtsvoll in die ruhige stille flamme. bruder immanuel aber läutete die glocke mit der feinen, silb ernen stimme und rief die tiere des waldes zur feier ihrer und seiner weihnacht. als die tiere die glocke hörten, kamen sie in grossen scharen an und sammelten sich auf dem gipfel des berges, und bruder immanuel bat sie, zu essen. es sei alles, was er habe, und sie mögen das brot mit ihm brechen zur weihnacht des waldes. nachher wollte er ihnen dann vom wunder der weihnacht erzählen.

«wir bedanken uns viele male», sagten einige tiere für sich und die anderen, «aber wir wollen dein brot nicht essen. wie sollst du sonst leben? dazu sind wir nicht gekommen. aber wir wollen gerne hören, wenn du uns das wunder der weihnacht erklärst. wir fühlen alle, wenn es über den wald kommt.»

«das wunder der weihnacht ist nicht schwer», sagte bruder immanuel, «es ist nur schwer für jene, die es nicht verstehen wollen, und die meisten menschen wollen das nicht. denn die menschen feiern ihre weihnacht, indem sie unzählige geschöpfe töten. diese gottesgeschöpfe aber sind ihre geschwister. so ist es eine entweihte nacht und keine weihnacht. die menschen sind ferne von der weihnacht, weil sie fern von der liebe sind. es ist aber nicht so, dass ihr mein brot nicht essen sollt. ich habe es dazu für euch gesammelt, und es werden viele von euch sehr hungrig sein. es ist meine weihnacht, dass ihr meine gäste seid, und es ist meine und eure weihnacht, wenn wir das brot zusammen essen.»
bruder immanuel aber sah, dass es nicht reichen würde, denn viele von den tieren waren sehr hungrig, und die zahl war sehr gross. da sprach er ein gebet: «ich bitte darum, dass meine geschwister satt werden, wenn sie mit mir das fest der weihnacht feiern.»

es begann schon zu dunkeln, aber mit einem male wurde es ganz hell auf dem berge. zwei grosse engel standen zu beiden seiten der hütte, und der schnee und das eis begannen zu schmelzen, denn die engel hatten die heissen quellen gerufen, die unter dem berge flossen, dass sie heraufkämen und die erde erwärmten. über die schneebefreite erde aber streckten beide engel die hände aus, und da wuchsen gras und blumen und viele andere pflanzen hervor, auch solche, die sonst niemals hier gewachsen waren, so dass der berg grün war wie im frühling und die tiere mehr als genug hatten, um ihren hunger zu stillen. auch die raubtiere assen davon und wurden satt, und es schmeckte ihnen so gut, wie sie sich das niemals gedacht hätten, denn es war weihnacht...

die engel aber gingen zwischen den tieren umher und redeten mit ihnen, und die erde blühte mitten aus dem winter heraus, und die beiden ufer der welt berührten sich. auch die erde hat ihre irdene und ihre kristallene schale, und es war, als wäre diese kristallene schale durch die irdene hindurchgedrungen und habe sie durchlichtet mit der liebe zu allen geschöpfen – und es wird dies auch einmal wieder so sein.

als alle tiere satt waren, setzte sich bruder immanuel zu ihnen, und das eichhörnchen kletterte auf seine schulter. er erzählte ihnen vom wunder der weihnacht, und dass die liebe wieder auf die erde kommen werde, um sie immer mehr zu durchlichten.
«es ist der einzige weg», sagte bruder immanuel, «dass alle älteren brüder den jüngeren vorangehen in sehnsucht und liebe. aber die menschen waren nicht guten willens, und sie sind es heute noch nicht. die menschen sind den menschen und tieren nicht brüder geworden, sondern tyrannen und mörder, und darum tragen sie das zeichen des kain auf der stirne, und alle geschöpfe gottes fliehen vor ihnen. darum habt ihr auch mich geflohen. glaubt es mir, es ist entsetzlich, ein mensch zu sein, wenn man den weg der liebe wandeln will und wenn man es voller grauen begreift, dass man ein gezeichneter ist in der schöpfung.»

«wir sehen kein zeichen mehr an deiner stirne», sagten die tiere.

da barg bruder immanuel das gesicht in den händen und weinte, zum ersten male seit jenem traurigen abend, als er auf diesem berge angekommen war. aber es waren dies andere tränen als an jenem abend der einsamkeit, und die engel stellten sich neben ihn und schlossen ihre schwingen üner ihm und über dem eichhörnchen, das sein erster bruder geworden war.

es war dies die weihnacht bruder immanuels und seiner brüder, der tiere. als die tiere sich verabschiedeten, traten sie eines nach dem anderen zu bruder immanuel hin. die vögel setzten sich auf seine hand, und die hirsche und rehe verneigten sich, und die fische grüssten im bach, und die wölfe, die wildkatzen, die füchse und hasen, die eichhörnchen und alle anderen gaben ihm die pfote, so wie der wolf von agobbio dem heiligen franz von assisi die pfote gegeben hatte. «wir danken dir viele male für alles was du gesagt hast», sagten die tiere, «und wir bedanken uns auch bei den engeln und bei dir für alles, womit ihr unseren hunger gestillt habt. es ist sehr viel, was heute geschehen ist, und es sind auch viele unter uns, die den weg zusammen mit euch menschen gehen wollen.»

«ich habe euch zu gast haben wollen, und es ist für mich etwas sehr heiliges gewesen, dies zu tun», sagte bruder immanuel, «aber ich selbst habe das grösste geschenk dabei empfangen. es ist auch so, dass ihr nicht meine gäste wart, sondern ihr seid gottes gäste gewesen, denn er selbst hat euch an seinen tisch der liebe geladen.»

der berg, auf dem bruder immanuels hütte stand, blieb immer grün seit jener heiligen nacht, winter und sommer, und es war kein eis mehr und schnee auf ihm zu sehen im wandel der jahre, so dass alle tiere, die dort lebten, ihre nahrung fanden und nicht zu darben brauchten. es war, als wäre von diesem stück erde aus eine brücke gebaut worden hinüber zum land der verheissung.

die tiere aber vergassen es niemals wieder, dass bruder immanuel sie zu dieser weihnacht des waldes gebeten hatte, dass die engel mit ihnen geredet hatten und dass sie gottes gäste gewesen waren.

diese geschichte hat sich schon viele male begeben vor vielen tausend und hundert jahren, sie geschah gestern, und sie geschieht heute, und sie wird noch viele male geschehen müssen bis die schuld der menschen gegenüber den tieren getilgt ist. es ist ein weg voller dornen in sehnsucht und liebe, und erst wenn alle ihn wandern, werden sich die beiden ufer der erde vereinigen im lande der verheissung.

maybelline
23.12.2004, 23:00
Die Weihnachtskatze

Verfasser James Herriot(1916 - 1995)

Wenn ich an Weihnachten denke, fällt mir immer eine ganz bestimmte kleine Katze ein. Zum erstenmal begegnete ich ihr an einem Herbsttag, als Mrs. Ainsworth mich gebeten hatte, nach einem ihrer Hunde zu sehen. Überrascht schaute ich mir das kleine struppige Geschöpf an, das da vor dem Kamin saß.
„Ich wußte gar nicht, daß Sie eine Katze haben“, sagte ich.
Mrs. Ainsworth lächelte. „Wir haben auch keine. Das ist Debbie. Sie ist eine Streunerin. Sie kommt zwei- oder dreimal in der Woche, und wir geben ihr etwas zu fressen.“
„Haben Sie den Eindruck, daß sie bei Ihnen bleiben möchte?“
„Nein.“ Mrs. Ainsworth schüttelte den Kopf. „Sie ist ein scheues kleines Ding. Kommt hereingeschlichen, frißt ein bischen, und schon ist sie wieder weg. Sie hat etwas Rührendes, aber sie will offenbar weder mit mir noch mit irgend jemand sonst etwas zu tun haben.“
Ich sah mir die Katze wieder an. „Aber heute will sie nicht einfach nur gefüttert werden.“
„Das stimmt. Es ist komisch, aber ab und zu kommt sie hereingehuscht und sitzt ein paar Minuten am Kamin. Als ob sie sich einmal etwas Gutes gönnen möchte.“
„Ja, ich verstehe.“ Es war etwas Außergewöhnliches in Debbies Haltung. Sie saß kerzengerade auf dem dicken Teppich vor dem Kamin und machte keine Anstalten, sich zusammenzurollen oder zu putzen, sondern blickte nur still vor sich hin. Und irgend etwas an dem staubigen Schwarz ihres Fells, ihrem halbwilden, mageren Äußeren sagte mir, daß das hier ein besonderes Ereignis in ihrem Leben war, eine seltene und wunderbare Sache. Sie genoß voll Wonne eine Behaglichkeit, von der sie sonst nicht einmal träumen konnte.
Während ich sie noch beobachtete, drehte sie sich um, schlich lautlos aus dem Zimmer und war fort. „So ist das immer mit Debbie“, lachte Mrs. Ainsworth. „Sie bleibt nie länger als zehn Minuten.“
Mrs. Ainsworth war eine mollige Frau mit freundlichem Gesicht, etwas über vierzig und genau so, wie ein Tierarzt sich seine Kunden wünscht - wohlhabend, großzügig und Besitzerin von drei verhätschelten Bassets. Der für diese rasse typische leidende Gesichtsausdruck brauchte sich nur ein wenig zu verstärken, und schon geriet Mrs. Ainsworth in größte Aufregung und eilte ans Telefon.
Meine Besuche bei Mrs. Ainsworth waren deshalb häufig, aber ohne ernsten Hintergrund, und ich hatte reichlich Gelegenheit, die Katze zu beobachten, die mich brennend interessierte. Einmal lagen die drei Bassets malerisch auf dem Kaminteppich und schnarchten, während Debbie in ihrer üblichen Haltung mitten unter ihnen saß - aufrecht, angespannt, den Blick traumverloren auf die glühenden Kohlen gerichtet.
Diesmal versuchte ich mich mit ihr anzufreunden. Mit geduldigem Schmeicheln und sanftem Zureden gelang es mir, mit einem Finger ihren Hals zu streicheln. Sie antwortete darauf, indem sie sich an meiner Hand rieb, wandte sich aber gleich danach zum Aufbruch. Sobald sie aus dem Haus war, schoß sie durch eine Lücke in der Hecke, und das letzte, was ich sah, war eine kleine schwarze Gestalt, die über das nasse Feld flitzte.
„Ich möchte nur wissen, wohin sie geht“, sagte ich leise vor mich hin.
Mrs. Ainsworth stand plötzlich neben mir. „Wir sind bis heute nicht dahintergekommen.

Erst am Weihnachtsmorgen hörte ich wieder von Mrs. Ainsworth. Sie entschuldigte sich gleich: „Es tut mir so leid, Mr. Herriot, daß ich Sie ausgerechnet heute belästige.“ Aber bei aller Höflichkeit konnte sie die Sorge in ihrer Stimme nicht verbergen. „Es ist wegen Debbie. Irgend etwas stimmt nicht mit ihr. Bitte kommen Sie schnell.“
Als ich über den Marktplatz fuhr, dachte ich wieder einmal, daß Darrowby an Weihnachten aussah wie zur Zeit von Charles Dickens: der menschenleere Platz mit dem hohen Schnee auf dem Kopfsteinpflaster, der auch von den Traufen längs der gitterbekrönten Dachkanten herabhing, die bunten Lichter der Christbäume, die durch die Fenster der dicht zusammengedrängten Häuser funkelten, freundlich und einladend vor dem kalten Weiß der dahinterliegenden Hügel.
Mrs. Ainsworths Haus war über und über mit Lametta und Stechpalme geschmückt; aus der Küche drang ein verführerischer Duft von Truthahn mit Salbei- und Zwiebelfüllung. Aber ihre Augen blickten sorgenvoll, als sie mich durch die Diele führte. Debbie lag regungslos auf der Seite, und dicht neben ihr, an sie geschmiegt, ein winziges schwarzes Kätzchen. „Ich habe sie einige Wochen nicht gesehen“, sagte Mrs. Ainsworth. „Dann kam sie vor etwa zwei Stunden hierher - stolperte irgendwie herein und trug das Junge im Maul. Sie legte es auf den Teppich, und ich habe mich zuerst darüber amüsiert. Aber dann sah ich, daß etwas nicht stimmte.“
Ich kniete nieder und fühlte mit der Hand über Debbies Hals und Rippen. Sie war magerer als je zuvor, ihr Fell war schmutzig und schlammverkrustet. Als ich ihr Augenlid herunterzog und die glanzlose weiße Bindehaut sah, wußte ich Bescheid. Während ich den Unterleib abtastete, schlossen sich meine Finger um einen harten Knoten tief in den Eingeweiden. Fortgeschrittenes Lymphosarkom. Endstadium und hoffnungslos.
Ich sagte es Mrs Ainsworth. „Sie liegt im Sterben - im Koma; sie leidet nicht mehr.“
„Oh, das arme Ding!“ Sie schluchzte und streichelte immer wieder den Kopf der Katze, während ihre Tränen auf das verfilzte Fell tropften. „Was muß sie durchgemacht haben! Ich hätte mehr für sie tun sollen.“
Ein paar Augenblicke schwieg ich, denn ich verstand ihren Kummer. Dann sagte ich beruhigend: „Niemand hätte mehr tun können, als Sie getan haben.“
„Aber ich hätte sie hierbehalten sollen - sie hätte es gut gehabt. Es muß schrecklich gewesen sein da draußen in der Kälte, als sie so krank war. Und dann hatte sie auch noch Junge! Wie viele mögen es wohl gewesen sein?“
Ich zuckte die Achseln. „Das werden wir wohl nie erfahren. Vielleicht nur dieses eine. Manchmal kommt das vor. Und ausgerechnet zu Ihnen hat sie es gebracht, überlegen Sie mal.“
„Ja, das schon.“ Als Mrs. Ainsworth das schmutzige schwarze Bündel aufhob, öffnete sich das winzige Mäulchen zu einem tonlosen Miau. „Ist das nicht seltsam? Sie war schon halb tot und brachte ihr Junges hierher. Und gerade zu Weihnachten.“
Ich beugte mich nieder und legte die Hand auf Debbies Herz. Es schlug nicht mehr. Ich hüllte den kleinen Körper in ein Tuch und trug ihn in den Wagen. Als ich zurückkam, streichelte Mrs. Ainsworth noch immer das Kätzchen, und ihre Tränen waren versiegt. „Ich hatte noch nie in meinem Leben eine Katze.“
Ich lächelte. „Nun, es sieht ganz so aus, als hätten Sie jetzt eine.“

Das Kätzchen wuchs rasch zu einem schönen Kater heran, dem sein ungestümes Wesen den Namen Frechdachs einbrachte. Er war in jeder Hinsicht das Gegenteil seiner scheuen Mutter. Wie ein König stolzierte er über die prächtigen Teppiche im Hause Ainsworth.
Bei meinen Besuchen beobachtete ich mit Vergnügen, wie er sich entwickelte, und ganz besonders gern erinnere ich mich an das Weihnachtsfest ein Jahr nach seinem Einzug.
Ich war wie üblich unterwegs gewesen - die Tiere haben bis heute nicht gelernt, Weihnachten als einen Feiertag anzusehen. Das viele Anstoßen mit gastfreundlichen Bauern hatte mich in eine rosige Stimmung versetzt, und auf dem Heimweg hörte ich Mrs. Ainsworth rufen: „Frohe Weihnachten, Mr. Herriot! Kommen Sie herein, und trinken Sie etwas zum Aufwärmen!“ Das Aufwärmen hatte ich nicht nötig, aber ich fuhr ohne zu zögern in die Auffahrt. Im Haus war alles froh und festlich wie ein Jahr zuvor. Und diesmal gab es keinerlei Grund zu irgendeinem Kummer - Frechdachs war ja da.
Mrs. Ainsworth lachte. „Wissen Sie, für die Hunde ist er ein rechter Quälgeist.“ Für die Bassets war das Auftauchen des Katers so etwas wie das Eindringen eines Flegels in einen exklusiven Klub.
„Ich möchte Ihnen etwas zeigen.“ Mrs. Ainsworth nahm einen harten Gummiball von einem Schränkchen und ging hinaus. Frechdachs folgte ihr. Sie warf den Ball über den Rasen, und der Kater sprang ihm nach; dabei konnte man seine Muskeln unter dem schwarzglänzenden Fell spielen sehen. Er packte den Ball mit den Zähnen, trug ihn zu seiner Herrin, ließ ihn fallen und wartete gespannt. Ich traute meinen Augen nicht. Eine Katze, die apportierte!
Die Bassets schauten voller Verachtung zu. Nichts hätte sie jemals dazu bringen können, hinter einem Ball herzujagen.
Mrs. Ainsworth wandte sich zu mir: „Haben Sie so etwas schon einmal gesehen?“
„Nein“, erwiderte ich, „noch nie. Das ist ja wirklich ein ganz besonderer Kater.“
Sie nahm Frechdachs auf, hielt ihn dicht ans Gesicht und lachte, als er schnurrte und sich verzückt an ihre Wange schmiegte.
Als ich ihn ansah, ein Bild des Glücks und der Zufriedenheit, mußte ich an seine Mutter denken. Ging ich zu weit, wenn ich mir vorstellte, daß diese todkranke Kreatur mit letzter Kraft ihr Junges zu dem einzigen behaglich warmen Plätzchen brachte, das sie je kennengelernt hatte, in der Hoffnung, daß es ihm dort gut gehen werde? Vielleicht.
Aber ich war offenbar nicht der einzige, der so dachte. Mrs. Ainsworth lächelte mir zu. „Debbie würde sich freuen“, sagte sie.
Ich nickte. „Ja, ganz sicher. Es war genau heute vor einem Jahr, als sie ihn herbrachte, nicht wahr?“
„Ja.“ Sie drückte Frechdachs an sich. „Das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe.“

Fröhliche Weihnachten! :)

Natalie
30.12.2004, 16:12
Hallo!
Weiterhin vielen Dank für eure Geschichten!!!
Hier habe ich noch ein sehr trauriges Gedicht!

Aufschrei der Tränenlosen!

Hund mit abgeschnittenen Ohren,
einmal wurd´ich nur geboren,
wollte Freund, Gefährte sein.
Warum läßt du mich allein?
Partner Mensch? Ich sage:NEIN!

Pferd mit aufgeschlitztem Leibe,
steh´verletzt ich auf der Weide,
wollte nutzen, wollte leben,
dir und andren Freude geben.
So verlorst du dein Gesicht,
dein Gewissen sei Gericht,
für all meine Not und Pein.
Partner Mensch? Ich sage: NEIN!

Geschundnes Rind auf Viehtransport,
stehend bis zum fernsten Ort,
Leib an Leib, erschöpft, kein Heu,
gebrochene Beine, keine Streu,
nirgends eine Tierraststätte,
wenn ich doch nur Wasser hätte!
Wie kannst so unbeseelt du sein?
Partner Mensch? Ich sage: NEIN!

Und wir, geplagtes Federvieh,
in der Legebatterie,
nirgends Gras und Sonnenschein
und kein Platz für´s zweite Bein.
Auch wir Tiere im Labor,
stimmen ein in diesen Chor.
Wie umbarmherzig kannst du sein?
Partner Mensch? Ich sage: NEIN!

Ein Beutel voller Miezekatzen
zwischen Hausmüll und Matratzen,
halb erstickt und tief verborgen,
wollte man uns so entsorgen?
Sind denn alle inhuman,
nimmt sich keiner unsrer an?
Hört uns niemand ängstlich schrein?
Partner Mensch? Ich sage: NEIN!

Eng ist´s in dem Riesenraum,
stehen, gehen kann ich kaum,
bin noch zu klein und viel zu dick:
Ferkel in der Mastfabrik.
Zwar leb´ich ohnehin nicht lange,
jedoch ist mir furchbar bange,
vor Viren und Elektrozange.
So viele kleine Ferkel schrein:
Partner Mensch? Ich sage: NEIN!

Versetze dich in unsere Lage,
diese Schmerzen, diese Plage,
alles für Gewinn und Geld.
Gilt nur dies auf unsrer Welt?

Ob bei einem Tausch der Rollen
wir euch wirklich retten sollen?
Mensch, laß diesen Rat dir geben:
Übe Ehrfurcht vor dem Leben!
Du bist verloren, wenn wir schrein:
NEIN! NEIN! NEIN!

Rosenheimcop
02.01.2005, 15:04
Ich möchte etwas Lustiges beisteuern, gestern Abend passiert.

Wir sitzen im Wohnzimmer, auf einmal geht das Licht aus. Was war los? Meine Katze Jilly sitzt oben auf dem Couchrand und putzt sich. Sie bewegt sich mal so, mal so und plötzlich drückt sie mit ihrem Hinterteil den Lichtschalter, zack, war das Licht aus :cat3: .

Das hat sie selbst so erstaunt, dass das Licht plötzlich aus ist, ohne dass ihr Frauchen (also ich) am Schalter rumfummelt, dass sie nur dasitzt, mit offenem Mund nach oben zur Decke starrt und absolut nicht begreift, warum das Licht einfach aus geht. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll nochmal mit dem Po gegen den Schalter drücken, dann ginge es wieder an, das hat sie aber nicht verstanden :lol: . Da müssen wir noch üben :lol: .

Rosi

maybelline
02.01.2005, 15:17
*lach* wie süß, Rosi :) :lol:


Eine lustige "Sendung" von Maika Silvester:

Ich war mit Natalie am chatten und meine andere Katze Mimi hatte sich hinterm Schreibtisch verkrochen wegen der Knallerei. Natalie meinte dann, dass ihr Kimba weg sei und sie gleich mal nach ihm schauen wollte. Darauf sagte ich, dass Maika auch schon lange nicht mehr zu sehen ist und ich sie gleich mal suchen wollte. Ich habe dann in Gedanken Maika gefragt, wo sie ist, bekam aber keine Antwort. Ein paar Minute später wollte ich schauen gehen, drehe mich auf dem Stuhl um und hinter mir sitzt Maika und starrt mich an :D dann bekam ich ein "bin doch da!", sie dreht sich um und flitzt wieder weg :lol: Naja, so spart man sich das Suchen :)

Kasaka
03.01.2005, 17:13
Jetzt habe ich geheult und gelacht. Mein Mann hat sich schon Gedanken gemacht, ob er nicht das "Weiße Auto" rufen soll. Erst spreche ich mit Tieren und dann heule ich auch noch mit dem Computer :lol: :lol: :lol:

Ich möchte Euch mal ein Gedicht reinstellen, welches ich "verfasst" habe, als ich noch keine Ahnung von TK hatte, ja nicht mal wußte, daß es sowas überhaupt gibt. Es ist ungefähr 10 Jahre alt. Ich war damals manchmal verzweifelt, wenn ich sehen mußte, wie roh manche Leute mit Pferden umgingen. Ich konnte fühlen, wie die Pferde litten und wußte nicht wohin damit. Ich schrieb dieses Gedicht und eine Pferdezeitung druckte es ab.
Ich hoffte, daß ich damit manche Menschen zum nachdenken brachte und fühlte mich etwas besser. :roll:

Nur ein Tier ?

Hörst Du ,wie die Pferde erzählen ?
Wenn es kalt ist, wenn sie Kummer haben oder Schmerzen .
Wie sie sagen:“Ich möchte nach drausen,mit den Anderen raufen!
Warum darf ich das nicht ? Warum sperrst du mich ein?“
Fühlst Du ,wenn sie traurig sind und leiden?
Du hörst sie nicht weinen, Du siehst keine Tränen.
Pferde schreien stumm!
Sie schreien mit gesenktem Kopf und Falten im Gesicht.
Sie haben Schmerzen mit aufgerissenen Augen und stockendem Atem. Hörst Du es, wenn sie so mit Dir reden?
Hörst Du wenn sie sagen : „Ich mag Dich !“und im Wettkampf alles ge-
ben ?
Immer sprechen sie zu Dir,verstehst Du sie?
Nicht mit Worten,das zu glauben wäre töricht. Schau ihnen in die Augen ! Schau in ihre Seele!
Sie werden es Dich lehren zu verstehen!
Nimm Dir die Zeit ,lerne sehend hören !!
K.L.

Aranka
04.01.2005, 20:38
Als ich heute so am Vogelkäfig vorbei bin und Finn so am zwitschern war, hab ich zu ihm gesagt (in echten worten) :"Dir gehts gut Finn, hm?!" So als Feststellung. Dann hatte ich plötzlich diesen Satz im Kopf: "Dir doch auch du hast ja mich!" :lol: http://www.cosgan.org/images/midi/tiere/e015.gif
Tja und ich denke mal es war tatsächlich von ihm...und recht hat er! Aber grinsen mußte ich schon :)

maybelline
06.02.2005, 15:24
Mein Name ist Lupus. Jawohl, ich bin ein Wolf. Mit dem bösen Wolf aus dem Märchen habe ich nichts zu tun. Wer das erzählt, der lügt. Kein Mensch braucht vor mir Angst zu haben. Im Gegenteil - ich bin es, der sich vor den Menschen fürchtet. Vor den meisten jedenfalls. Wenn es sich einrichten lässt, gehe ich ihnen lieber aus dem Weg. Nicht jeder Zweibeiner ist so gutmütig wie der, dem ich neulich begegnet bin. Der hielt mich wohl für einen Hund und pfiff nach mir.

Alles was recht ist! Nur gut, dass er nicht genauer hingesehen hat, sonst hätte er seinen Irrtum vielleicht bemerkt und Krach geschlagen. Das ist das Letzte, was ich hier gebrauchen kann. Für die, die es für sich behalten können: Wir Wölfe wirken hochbeiniger als Schäferhunde, die uns entfernt ähnlich sehen. Wir haben aber kleinere, eher runde Ohren, und unseren Blick aus gelben Augen würde kein Mensch als »treu« bezeichnen. Unseren buschigen Schwanz tragen wir würdevoll wie eine Schleppe. Ringelschwänze gibt's bei uns nicht. Wer Tierspuren lesen kann, wird uns an unserem Pfotenabdruck erkennen, den wir im Schnee oder im Sand hinterlassen. Er ist länger und schmaler als der eines Hundes.

Überhaupt Hunde! Ein Kapitel für sich. Wir mögen sie nicht besonders, diese vorlauten Kläffer. Sie riechen unheimlich. Unheimlich stark nach Mensch. Wenn es darauf ankommt, halten sie lieber zu ihm als zu uns. Sie sind weder frei noch wild, obwohl sich einige von ihnen so aufspielen. Letztlich - und das will mir nicht in den Kopf, stammt jeder lächerlicher Kläffer, ob groß oder klein, ob schlappohrig oder krummbeinig, ob gestreift oder gefleckt, vom Wolf ab. Schöne Verwandtschaft das!
Aber eigentlich wollte ich ja meine eigene Geschichte erzählen. Also:

Ich komme aus dem Land jenseits des großen Flusses. Meine Heimat sind die dichten, dunklen Wälder, in die sich nur selten ein Mensch verirrt. Dort im Wolfsland, wo die Bäume fast in den Himmel wachsen, bin ich in einer Höhle zur Welt gekommen. Mein ganzes Leben lang werde ich mich an den Duft meiner Mutter erinnern. Warm und weich in ihren Pelz gebettet, verbrachte ich die ersten Wochen wie fast alle Tier- und Menschenkinder. Essend und schlafend und schlafend und essend. Satt und zufrieden. Später stritten wir Geschwister - wir waren zu viert - immer öfter um die beste Milchquellen. Nachdem sie versiegt waren, kümmerte sich unser Vater darum, dass wir satt wurden. Unermüdlich war er auf den Beinen, um Nahrung heranzuschaffen. Selbst für einen Wolf ist es kein Kinderspiel, vier hungrigen Mäuler zu stopfen! Und es kann schon lästig werden, die ewig bettelnde Brut am Hals zu haben. Wolfswelpen haben nämlich einen Mordsappetit und wachsen wie der Teufel.

Schon bald wurde uns Kleinen die Höhle zu eng. Wir entdeckten, dass die Welt bunt und schön und aufregend ist. Von Gefahren, die auch auf dumme, kleine Wölfe lauern, ahnten wir natürlich nichts. Unsere Eltern hatten ihre liebe Not mit uns. Wahrscheinlich ist es leichter einen Sack Flöhe zu hüten als vier unternehmungslustige Welpen. Wir haben sie jedenfalls ganz schön in Atem gehalten! Nach wenigen Monaten waren wir fast so groß wie sie. Schlaksige Halbstarke, noch nicht erwachsen, aber auch keine Welpen mehr. Das war die Zeit, in der wir alles lernten, was ein richtiger Wolf wissen und können muss und in unseren Eltern hatten wir die besten Lehrmeister der Welt. Sie haben uns geduldig gezeigt, wie man Mäuse fängt. Dass manche Beeren köstlich schmecken. Dass es Gräser und Kräuter gibt, die bei Magendrücken helfen. Und - ich will es nicht verschweigen, sie sind mit uns auch auf die Jagd gegangen. So oft, bis wir endlich begriffen hatten, worauf es ankommt. Anschleichen, umzingeln, hetzen und zupacken. Nicht jeder Versuch Beute zu machen war erfolgreich und nicht selten sind wir mit leerem Magen nach Hause gekommen.

Jeder Mensch weiß, dass wir Wölfe uns nicht allein von Gräsern, Wurzeln und Früchten ernähren. Wir würden krank und schwach werden und langsam zugrunde gehen. Ab und zu brauchen wir ein ordentliches Stück Fleisch zwischen den Zähnen. Dass man uns deswegen als »Räuber« beschimpft, ist schon ein starkes Stück. Aber so sind sie nun mal, die Zweibeiner. Sie halten sich für etwas ganz besonderes und glauben, alles auf dieser Welt sei nur für sie da. Sie wollen nicht teilen. Das ist es!
Bevor ich mich aufrege, will ich lieber weitererzählen.

Unsere Kindheit, was war das für eine wilde, sorglose Zeit! Manchmal kamen Verwandte aus einem entfernten Tal vorbei. Genauer gesagt, die Sippschaft meiner Mutter mit Kindern und Kindeskindern. Auf den ersten Blick eine ziemlich verwegenes Pack. Doch an ihren Manieren war nichts auszusetzen. Sie rückten uns nicht einfach auf den Pelz, sondern machten an der Grenze unseres Reviers halt und meldeten sich an. Wenn meine Eltern das hörten, wurden sie ganz aufgeregt vor Freude. Sie ließen alles stehen und liegen und antworteten.

Die Menschen haben dafür ein ziemlich hässlich klingendes Wort. Die Wölfe heulen, sagen sie und ängstigen sich völlig unnötig. Dabei gibt es nichts schöneres als den Gesang eines Wolfsrudels, ganz besonders in einer klaren Vollmondnacht. Und das Singen steckt an. Wer es hört, muss einfach mitsingen, ob er will oder nicht. Wenn Wölfe heulen heisst das ja nichts anderes als: Hallo, wir sind da, meldet euch, wenn ihr auch in der Gegend seid. Oder: Heute Nacht gehen wir auf die Jagd, wer sich anschließen will, ist herzlich eingeladen. Oder manchmal auch: Ich bin alleine und sehne mich nach einem Gefährten.

Alles war, wie es sein sollte und es hätte so weitergehen können, wenn nicht eines Tages etwas Schreckliches passiert wäre. Im Morgengrauen - wir Jungen ruhten todmüde von der nächtlichen Jagd in unserer Höhle - war mir, als hörte ich Geräusche. Seltsam fremd. Auch ein merkwürdig strenger Geruch hing in der Luft, den ich nicht deuten konnte. Jetzt wäre es an der Zeit gewesen, einen Pirschgang zu unternehmen. Doch ich hatte einfach keine Lust, unsere warme Höhle zu verlassen, machte mir nicht groß Gedanken und schlief wieder ein. Ich hielt es noch nicht einmal für nötig meine Geschwister zu alarmieren. Ein unverzeihlicher Fehler, den meinen Eltern - wären sie nur da gewesen - niemals gemacht hätten. Als ich aufschreckte, war es zur Flucht schon zu spät. Ich hörte noch ein Krachen und Poltern, dann einen ohrenbetäubenden Knall. Dann stürzte die Höhle ein. Vier junge Wölfe wurden unter Erdbrocken und Steinen begraben. Aus. Vorbei. Totenstille.

Als ich wieder zu mir kam, war mir, als müsste ich ersticken. In wilder Hast fing ich an zu scharren, blindlings Erde und Steine wegzuschaufeln. Ich wollte raus, nur raus! Nicht lebendig begraben sein. Nicht jetzt schon sterben müssen. Nie wieder den blauen Himmel sehen... Plötzlich sah ich ihn. Ein winziges Stück Blau wurde mein Wegweiser in die Freiheit. Ich arbeitet wie ein Besessener und nahm die Zähne zu Hilfe, um den Erdspalt zu erweitern. Endlich konnte ich mich hindurchzwängen. Geblendet vom hellen Tageslicht, rannte ich blindlings los. Ich rannte um mein Leben. Fort von den kreischenden Maschinen und brüllenden Menschen. Ich war dermaßen damit beschäftigt, meine eigene Haut zu retten, dass ich an meine Geschwister gar nicht dachte. Heute, wo ich älter und weiser bin, schäme ich mich dafür. Ich habe keine Ahnung, was aus ihnen geworden ist.

An jenem Unglückstag lief und lief ich ohne Pause bis es Abend wurde. Meine Pfoten wurden wund und ich keuchte vor Erschöpfung. Erst als ich plötzlich vor einem breiten, träge fließenden Wasser stand, hielt ich an. So viel Wasser hatte ich noch nie gesehen. Vorsichtig trank ich ein paar Schlucke, dann kühlte ich meine heißen, schmerzenden Pfoten und dann - oh, es war wunderbar, legte ich mich in eine flache Mulde und ließ mir von den plätschernden Wellen den Schmutz aus dem Pelz spülen. Langsam fühlte ich mich besser. Der Nebel in meinem Gehirn löste sich auf. Obwohl ich damals noch ein junger Spund war, unerfahren und gutgläubig, ahnte ich doch, was mir und den meinen zugestoßen war.

Meine Mutter hat uns oft erzählt, dass sich Menschen fürchten, wenn sie durch einen Wald gehen müssen. Je größer, dichter und dunkler er ist, um so mehr fürchten sie sich. (An dieser Stelle lachten wir Kleinen uns halbtot). Deswegen setzen sie sich am liebsten in diese fahrenden Käfige, die sie Autos nennen. Und weil Autos nur auf glatten, breiten Pfaden rollen, die Straßen heißen, müssen Menschen immerzu Straßen bauen. Besonders gern durch Wälder. Dafür fällen sie dann alle Bäume, die im Wege steht. Millionen und Abermillionen Bäume sind so ums Leben gekommen. Einer davon muss genau auf unsere Höhle gestürzt sein!

Am Abend jenes Unglückstages war ich das erste Mal in meinem Leben alleine und tieftraurig. Ich hatte alles verloren, was mir vertraut war: meine Eltern und Geschwister, meine Höhle, meine Lichtung, meinen Wald, meine Welt - meine Heimat. Und obwohl ich hungrig war wie nur ein Wolf sein kann, kroch ich ins nächsten Gebüsch, rollte mich zusammen und schlief ein. Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich wach. Hellwach! Meine innere Stimme sagte mir: Du musst weiter, über das große Wasser und noch viel weiter, bis du in eine Gegend kommst, in der deine Sippe einst zu Hause war. Sie ist schön und fast menschenleer und niemand wird dort den Wald vernichten, dich verjagen oder dir nach dem Leben trachten. Die Zeiten haben sich geändert. Auch für dich. Das wird mir kein Zweibeiner glauben, aber es war so. Genau so! Von dem Moment an wurde ich von einer großen Unruhe gepackte. Ich wollte keine Zeit verlieren, denn ich sah meinen Weg so deutlich vor mir, als wäre ich ihn schon einmal gegangen. Dass ich am Ausgangspunkt einer langen, gefahrvollen Wanderung stand, war mir damals gar nicht bewusst. Wie im Traum hatte ich nämlich jenen uralten, fast vergessenen Wolfswechsel gefunden, auf dem meine Ahnen jahrhundertelang nach Westen gezogen sind.

Zuerst musste ich auf die andere Seite des große Wasser gelangen. Ein bisschen Angst hatte ich schon, aber an einer seichten Stelle ging es einfacher als gedacht. Nachdem das geschafft war, lief ich weiter und weiter, immer der Nase nach, immer westwärts. Ich überquerte Straßen, wich Autos aus und schlich um Menschenhäuser. Meinen Hunger spürte ich kaum noch. Erst als mir ein merkwürdiger großer Vogel über den Weg lief, der einfach nicht wegfliegen wollte, packte ich zu. Eine so leichte Beute war mir noch nie begegnet. Heute weiß ich natürlich, dass diese dummen Vögel den Menschen gehören, Sie lassen sie in der Gegend herumlaufen und machen ein Riesengeschrei, wenn einer fehlt. Der Fuchs, der Fuchs, jammern sie dann und rufen nach dem Jäger. Das ist auch wieder ein Kapitel für sich. Davon später.

Ich hatte also mein erstes Huhn erbeutet und weil das so mühelos ging, ist es mir während meiner Wanderung zur Gewohnheit geworden. Hühner geben zwar nicht viel her und ihre Federn sind ungeheuer lästig, sie sind jedoch besser als nichts. Wenn man hungrig und in Eile ist, darf man nicht heikel sein, das weiß doch jedes Kind. Einmal - es war in der Nähe einer großen Stadt - hörte ich Krähen schreien. Ich kannte das. Krähen machen ein unglaubliches Theater, wenn sie etwas Nahrhaftes entdeckt haben. Und manchmal lohnt es sich sich, das schwarze Gesindel von seiner Beute zu vertreiben. Neugierig geworden, folgte ich ihnen. Was sich jedoch dann vor meinen Augen abspielte, war unerhört. Hunderte, ja tausende dieser schwarzen, kreischenden Aasvögel ließen sich auf einem riesigen, stinkenden Berg nieder und wühlten im Dreck. Jawohl, Dreck! Dreck, der nach Menschen stank. Dreck, der zum Himmel stank. Zwischen den Krähen mit leuchtenden Augen meine Vettern, die Füchse. Auch sie verschlangen gierig, was noch genießbar war. Auch ein paar Hunde waren da. Dürre Gestalten, die sich mit Krähen und Füchsen um die besten Brocken zankten. Widerlich! Entwürdigend! Nein, dann halte ich mich doch lieber an Mäuse und Regenwürmer. Ich war überzeugt, kein Wolf, und wäre er noch so hungrig, würde sich einen solchen Aasfraß einverleiben. Ich sollte mich täuschen. Nicht das erste Mal in meinem Leben.

Unbemerkt wie ich gekommen war, machte ich mich wieder davon. Ich brauchte die ganze Nacht, um die große Stadt zu umrunden. Mein vorgezeichneter Weg, den ich wie eine Landkarte im Kopf hatte, führte zwar mitten durch, aber das Wagnis war mir zu groß. Also schlich ich durch Gärten, über Felder und Wiesen, zwängte mich durch Zäune, watete durch Gräben, immer begleitet vom wütenden Gebell der Hunde. Gefangene an Ketten. Eingesperrte in Käfigen. Arme Irre, die für einen vollen Magen ihre Freiheit verkauft haben. Was beklagen sie sich, sie haben es nicht anders verdient. So dachte ich damals. Ich wusste noch nicht, dass auch sie unter den Zweibeinern zu leiden haben und dass manche von ihnen ärmer als Schweine sind.

Der Morgen graute, die Stadt lag endlich hinter mir, da blieb ich, kaum hatte ich mich in Trab gesetzt, wie angewurzelt stehen. Hatte ich mit offenen Augen geträumt? War auch ich verrückt geworden? Nein, da waren sie wieder, die Stimmen meiner Artgenossen. Wölfe! In dieser gottverdammten Gegend sangen Wölfe! Kein Zweifel, sie sangen das alte Lied, das ich so oft gehört hatte. Und sie sangen es hinreißend schön. Strophe für Strophe. Alle Vorsicht vergessend, holte ich tief Luft und antwortete. Ich schämte mich ein bisschen, weil meine Stimme so rauh und ungeübt klang. Ich hatte ja seit ich unterwegs war keinen Laut von mir gegeben. Trotzdem wurde ich verstanden. Eine schöne helle Stimme schickte mir eine Einladung: Komm her, Fremdling, beeil dich, wir warten. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Endlich! Wie lange hatte ich die Gesellschaft von Artgenossen entbehren müssen. Freudig erregt setzte ich mich wieder in Trab.
Ich will es kurz machen: Es wurde eine Riesenenttäuschung. Ich fand meine Artgenossen ohne Schwierigkeiten. Es war keine Kunst, denn sie waren eingesperrt. Gefangen, hinter Gittern - wie die Hunde. Um sie herum lärmten eine Menge anderer Tiere. Tiere, die ich noch nie gesehen hatte. Auch sie waren mit Gittern, Zäunen und Mauern umgeben.

Die Wölfe waren zu viert. Als sich mich entdeckten, rannten sie in ihrem Gefängnis hin und her. Immer zehn Schritte hin und wieder zurück, hin und zurück. Wie von Sinnen. Dabei flackerte der Irrsinn in ihren Augen. Mein Gott, es war unerträglich! In rasender Wut schlug ich meine Zähne in das Gitter, riss und rüttelte, bis mir die Kiefer schmerzten. Alles umsonst. Es hielt stand. Während ich tobte und wütete, knurrte und winselte, waren meine Artgenossen nicht zur Ruhe gekommen. Sie beruhigten sich erst, als ich zähneknirschend aufgab, meinen Kopf gegen die Gitterstäbe presste und erschöpft die Augen schloss. Dann aber geschah ein kleines Wunder. Eine Wölfin löste sich aus der Gruppe und wagte es, mich zu begrüßen. Sie steckte ihre Nase durch das Gitter und berührte mich sanft. Sie witterte in mein Fell und stupste in meine Mundwinkel. Sie leckte mir über die Schnauze und gab ganz leise, zarte Töne von sich. Ich konnte gar nicht anders, ich musste die Augen öffnen. Vor mir stand die hübscheste Wölfin, die ich je gesehen hatte. Klein und zierlich, mit einem Pelz, der fast so schwarz war wie die Nacht. Und ihre Augen! Ganz hell, heller als Bernstein. Wenn sie nur nicht dieses irre Flackern gehabt hätten...

Nachdem wir uns - soweit das unter diesen unwürdigen Umständen möglich war - nach Wolfssitte begrüsst hatten, begann die junge Wölfin zu erzählen. Natürlich nicht in der Menschensprache. Wir Wölfe haben eine eigene, ziemlich komplizierte Sprache, mit der wir alles ausdrücken können, was uns bewegt. Ich erfuhr Unglaubliches. Die kleine, sanfte Wölfin, die nie ihr Gefängnis verlassen hatte, die hinter Gittern zur Welt gekommen war, erteilte mir eine Lektion, an der ich mein Leben lang kauen werde. Eine Lektion über die Gemeinheit und Grausamkeit der Menschen.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass meine Artgenossen auf der ganzen Welt verfolgt werden. Dass sie erschossen und vergiftet werden. Dass man sie in Fallen zu Tode quält, nur um ihnen den Pelz über die Ohren zu ziehen. Dass man sie aus ihrer Heimat vertreibt. Dass man sie in Gefängnisse steckt, die »Tiergärten« genannt werden, damit sie von Menschenkindern bestaunt und begafft werden können. Erst dachte ich, sie lügt, die kleine Wölfin. Woher will sie das wissen, wenn sie nie ein richtiges wildes Leben geführt hatte. Ich war überzeugt, sie übertreibt, um sich interessant zu machen oder mir einen Schrecken einzujagen. Doch so war es nicht. Leider! Ihre Erklärung war einfach und glaubwürdig:

Sie hatte diese schrecklichen Geschichten von ihrer Mutter gehört. Die nämlich war frei geboren und lebte bis zu ihrer Gefangennahme in einem fernen, weiten Land. Sie war ein Wildfang, eine unbezähmbare Menschenhasserin. Sie ließ keinen Zweibeiner an sich heran und zeigte jedem, der sich ihr näherte, die Zähne. Kein Zoo - ja, es gibt viele Namen für diese Gefängnisse - wollte sie haben. Noch nicht einmal geschenkt. Schließlich ist sie hier gelandet als Gefährtin eines alten, halbblinden Wolfsrüden. Sie vertrug sich gut mit ihm. Sie stammte aus seiner Sippe, sprach seine Sprache und teilte sein Schicksal. So etwas verbindet und tröstet. Was ich nicht für möglich gehalten hätte: Sie hat in diesem Loch sogar Junge zur Welt gebracht! Danach wurde sie ruhiger und umgänglicher. Eine ganze Zeit lang war sie damit beschäftigt ihre Kinder großzuziehen. Doch plötzlich - es war mitten in einem schneereichen Winter - muss ihr unbändiger Freiheitsdrang wieder erwacht sein. Eines Nachts gelang es ihr mit einem Riesensatz das Gitter ihres Gefängnisses zu überspringen und zu entkommen. Natürlich haben die Zweibeiner ein Riesentheater gemacht. Eine ganze Armee war auf den Beinen um sie zu jagen. Man wollte sie wieder haben - tot oder lebendig. Umsonst, niemand hat sie je wiedergesehen.

Kurz nach dem Verschwinden seiner Gefährtin starb der alte Wolfsrüde. Nein, es war nicht Altersschwäche. Er starb an der Einsamkeit des Herzens. Eine Todesursache, die bei eingesperrten Tieren gar nicht so selten ist. Die Menschen haben ja keine Ahnung.

Auf meine Frage, warum sie nicht auch geflohen sei, schüttelte die kleine Wölfin nur ihren schönen Kopf. Nach der Flucht ihrer Mutter wurden die Gefängnisgitter verstärkt und erhöht. Kein Wolf - und wäre er noch so geschickt - kann sie seitdem überwinden. Was aber viel schwerer wiegt, Wölfe, die in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen sind, taugen nicht mehr für die Freiheit. Das jedenfalls behauptete die kleine Schwarze, bevor sie wieder zu ihren Geschwistern zurücktrabte. Schweren Herzens machte ich mich wieder auf den Weg. Und obwohl ich spürte, dass vier gelbe Augenpaare mir Löcher in den Pelz brannten, hielt ich stand. Ich ging ohne Abschied und ohne mich noch einmal umzudrehen. Der Blick zurück - er hätte mir das Herz gebrochen.

Die Begegnung mit meinen gefangenen Artgenossen hatte mich verändert. Meine Unbekümmertheit war dahin. Misstrauisch und ängstlich setzte ich meine Wanderung fort. Nur im Schutz der Dunkelheit wagte ich mich in die Nähe menschlicher Behausungen. Die Tage verbrachte ich dösend, doch immer fluchtbereit, in notdürftigen Verstecken. Einmal sogar in einem verfallenen Menschenhaus. Nicht selten hörte ich Menschenstimmen und sah von Hunden bewachte Schafherden vorüberziehen. So quälend langsam, dass ich ihnen am liebsten Beine gemacht hätte. Zum Glück hatte ich von den Hütehunden nichts zu befürchten. Sie entfernen sich nicht von den Schafen und verrichten gewissenhaft die Arbeit, die ihnen zugewiesen wurde. Manch einer, der meine Spur kreuzte und meine Witterung in die Nase bekam, hob den Kopf, prüfte den Wind und entblößte knurrend die Zähne. Er wäre mir liebend gern auf den Pelz gerückt, aber sein Pflichtgefühl hielt ihn davon ab. Die Schäfer haben nie gemerkt, dass ich ganz in ihrer Nähe war. Wie sollten sie auch? Ihre Augen sind schlecht, ihre Nase stumpf und ihre Ohren taub.
Wahrscheinlich wissen sie gar nicht mehr was das ist: ein freier Wolf. Wir kommen ihnen erst wieder in den Sinn, wenn sie ein Schaf vermissen. Doch an Schafen, das schwöre ich, habe ich mich nie vergriffen! Obwohl es keine Kunst gewesen wäre. Besonders nachts, wenn sie eng gedrängt auf der Weide stehen, die angebundenen Hütehunde sich die Seele aus dem Leib bellen, während die Zweibeiner in ihren Häusern ruhig schlafen. Es soll Kläffer-Banden geben, die im Schutz der Dunkelheit durch die Lande ziehen und sich einen Spaß daraus machen, Terror, Mord und Totschlag zu verbreiten. Abartig! Damit will ich nichts zu tun haben.

Vom platten Land hatte ich die Nase gestrichen voll, und ich war heilfroh, als ich endlich eine bewaldete Gegend erreichte. Ausgedehnte Wälder mit Gestrüpp und Gesträuch und kleinen Lichtungen, das ist es, was mir zusagt. Hier kann ich mich verbergen, ruhen, schlafen, meine Nahrung suchen und nach Lust und Laune umherstreifen. Kurz, all das tun, was ein Wolfsleben lenbenswert macht. Bisher hatte ich mit Mühe und viel Glück überlebt, jetzt wollte ich leben. Nicht leben wie ein Hund. Leben wie ein Wolf!

Meine Laune besserte sich. Ich hätte aus vollem Halse singen können. Aber so unvorsichtig war ich natürlich nicht. Es ist nicht gut, wenn ein einsamer Wolf aller Welt verrät, wo er steckt. Also verhielt ich mich ruhig und verbarg mich, bis der volle Mond den Wald zum Leben erweckte. Und was für ein Leben! Unglaublich, was da plötzlich alles auf den Beinen war: Mäuse, Igel, Marder, Füchse, ein Dachs, Rehe, eine ganze Wildschweinfamilie und sogar Hirsche. Hirsche! Den letzten bin ich in meiner Heimat begegnet. Welch sonderbarer Wald, grübelte ich, wo so viele Tierarten offenbar in Frieden leben und auch noch satt werden. Erst als das Getrippel und Getrappel nachließ, wagte ich mich aus meinem Versteck. Vorsichtig und jedes Geräusch vermeidend, folgte ich den großen Huftieren. Nein, nein, ich hatte nicht vor sie zu jagen. So vermessen war ich nicht. Alleine bestand nicht die geringste Chance, das wusste ich nur zu genau. Ich bin einfach von Natur aus neugierig.

Mit tiefer Nase sog ich ihre Witterung ein und hatte plötzlich einen ganz anderen Geruch in der Nase: Mensch! Groß, stark, männlich! Welch eine Enttäuschung. Es scheint kein Fleckchen Erde mehr zu geben, wo er nicht seine Spuren hinterlassen hat. Während ich noch rätselte, was ein Zweibeiner in dieser Wildnis zu suchen hat, umwehte mich ein anderer, äußerst reizvoller Duft. Fleisch! Nicht mehr ganz frisch, daher besonders begehrenswert.

Hunger, Hunger, Hunger! Es meldete sich wieder, dieses quälende Gefühl, das alles aus dem Kopf fegt, bis er so leer ist wie der Magen. Meine Gier war grenzenlos. Ich konnte gar nicht anders, ich musste dem Geruch folgen. Ein kurzer Trab, dann gingen mir die Augen über. Da erhob sich am Rande einer Lichtung ein Fleischberg, so mächtig, dass ein ganzes Rudel Wölfe davon satt geworden wäre. Ich nahm gerade noch wahr, dass schon Füchse und Wildschweine ihre Spuren hinterlassen hatten, dann bediente ich mich. Ich aß ohne Manieren, ja, ich fraß! Ich riss, ich schabte, ich kaute, ich schluckte, ich schlang. Wie gut das tat! Herrlich!

Plötzlich, mitten im schönsten Schlingen und Malmen, traf mich der Blitz. Nein, es war eine gewaltige Explosion. Sie riss mich von den Beinen, pustete mir das Gehirn aus dem Kopf und hinterließ nichts als roten, brennenden Schmerz. Sie machte mich taub und blind und zog mich hinunter in ein tiefes schwarzes Loch. Ich fiel und fiel, doch der erwartete Aufprall kam nicht. Stattdessen spürte ich, wie mir irgendetwas in die Flanke gestoßen wurde. Einmal, zweimal, dreimal. Der stechende Schmerz brachte mich wieder zurück in diese Welt. Mein Gehirn schrie sofort Alarm: Achtung, Mensch! Groß, stark und übelriechend. Rühr dich nicht, halt aus! Er meint, du bist erledigt. Und tätsächlich. Ein grässlich schwitzende Kerl beugte sich über mich, atmete pfeifend aus und hängte sich das Ding, mit dem er mich traktiert hatte, über die Schulter. Dann wandte er sich um und ging weg.

Das war meine Chance. Ich nahm alle Kraft zusammen und rappelte mich auf. Meine linke Hinterhand war nicht mehr zu gebrauchen, die Schmerzen brachten mich fast um den Verstand, trotzdem gelang es mir, mich unbemerkt davonzustehlen. Auf drei Beinen! Dass ich eine Blutspur hinter mir her zog, war mir gar nicht bewusst. Ich hatte meine Haut gerettet, nur das zählte. Mit letzter Kraft hinkte ich weiter und weiter und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Dort, wo ein umgestürzter Baum ein Loch in den Boden gerissen hatte, fand ich einen Unterschlupf. Ganz vorsichtig ließ ich mich ins Farnkraut sinken. Da bemerkte ich das Blut. Es tropfte stetig aus einer tiefen Wunde und versickerte im Waldboden. Ich hatte das Gefühl, als liefe mein ganzes Leben aus mir heraus. Frei von Schmerz und leicht wie eine Feder beobachtete ich staunend wie ich immer weniger wurde.

Nicht auszudenken, wenn mich der stinkende Zweibeiner in diesem Zustand gefunden hätte! Er hätte mir noch eine Kugel in den Pelz gejagt, um mich von einem Leiden zu erlösen, das er mir selbst zugefügt hat. (Dass aus dem Ding, das er bei sich trug, der Tod kam, ahnte ich damals schon). Möglicherweise hätte er mich an Ort und Stelle verscharrt und niemand hätte je etwas von mir erfahren. Vielleicht hätter er mich auch ins nächste Dorf geschleift und allen, die es hören wollen, das Märchen vom bösen Wolf erzählt.

Dass es nicht so weit kam, verdanke ich einem Schutzengel. Warum sollen Wölfe keinen Schutzengel haben? Meiner kam in Gestalt einer Wölfin. Bei einem Streifzug durch ihr Revier, in dem ich Schutz gesucht hatte, war sie auf meine Spur - die Blutspur - gestoßen. Im Morgengrauen fand sie mich. Ich lag mehr tot als lebendig auf meinem Farnlager. Wie sie es fertigbrachte, dass ich nach drei Tagen wieder zu mir kam, bleibt ihr Geheimnis. Ich glaubte an Fieberträume, als ich das dunkle Gesicht mit den hellen Augen erblickte. Und ich brauchte eine ganze Weile bis ich begriff, wem ich meine Rettung zu verdanken hatte. Die Ähnlichkeit war verblüffend. Der dunkle Pelz, die bersteinfarbenen Augen, die schlanke Gestalt. Und dennoch war sie es nicht, die kleine Zoo-Wölfin. Es war ihre freiheitsliebende Mutter! Die Ausbrecherin. Eine mit allen Wassern gewaschene Einsiedlerin, deren geheimes Leben durch mein Unglück einen unverhoffte glückliche Wendung nehmen sollte.

Ich will nicht vorgreifen. Zunächst war ich überhaupt nicht erfreut, dass sie mich zwang, mein Krankenlager zu verlassen. Doch sie hatte sich in den Kopf gesetzt, mich schnellstens in ihre eigene Höhle zu bringen. In diesem Punkt war sie unerbittlich. So knuffte, schob und traktierte sie mich so lange, bis ich tatsächlich wieder auf die Beine kam. Auf drei wohlgemerkt. Die verletzte Hinterhand schonte ich so gut es ging. Was für ein Mühe! Die Strecke, für einen gesunden Wolf ein Katzensprung, zog sich elend in die Länge. Schließlich erreichten ich völlig erschöpft den Unterschlupf meiner Retterin. Ich hätte ihn gar nicht bemerkt, so gut versteckt war er. Hinter dem Gewirr von Ästen und Zweigen, die den Einschlupf tarnten, hätte kein Mensch eine so geräumige Höhle vermutet, geschweige denn die Wohnung einer Wölfin.

Kaum hatte ich es mir ächzend und stöhnend bequem gemacht, da schoss die Schwarze mit einem wütenden Aufschrei wieder ins Freie. Gleich darauf erklang ein erbärmliches Jaulen, so erbärmlich, dass es nur von einem Ringelschwanz stammen konnte. Ein Schnüffler! Er war mir auf der Spur! Und wo sich Schnüffler herumtreiben, sind ihre zweibeinigen Führer auch nicht weit. Das war also der Grund für ihre Ungeduld. Sie kannte das Leben. Sie wusste aus Erfahrung, wovor man sich in acht nehmen muss, wenn man auf der Flucht ist. Sie ahnte, dass der Kerl, dem ich entwischt war, nach mir suchen würde. Kein Zweifel, ohne ihre Hilfe wäre ich verloren gewesen.

Als die Schwarze wieder am Höhleneingang erschien und verächtlich ein Büschel heller Hundehaare ausspuckte, fürchtete ich schon, sie sei einen Schritt zu weit gegangen. Sie schüttelte sich vor Abscheu. Nein, sie hatte den Kläffer nicht kalt gemacht - nur einen Denkzettel verpasst. Er würde nicht noch einmal wagen, in ihrem Revier herumzuschnüffeln, dieser Helfeshelfer seines niederträchtigen Herren. Wie sie so da stand, bebend vor Zorn, mit gesträubten Nackenhaaren und feuersprühenden Augen - ein Bild von einer Wölfin...

Nach diesem Zwischenfall kehrte Ruhe ein. Sie tat mir gut. Ich konnte mich erholen und wieder zu Kräften kommen. Meine Verletzung heilte aus. Dass ich auf der Hinterhand etwas lahme, muss ich wohl in Kauf nehmen. Eine kleine Behinderung, nichts weiter. Es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer.

Die schwarze Wölfin ... ach was, ich will kein Geheimnis daraus machen. Jeder, der mich kennt, kann es sich denken. Die schöne Schwarze ist natürlich meine Gefährtin geworden. Sie trägt bereits schwer an unserem Nachwuchs. In ein paar Tagen ist es soweit Dann werden nach langer Zeit hier wieder Wölfe geboren. In Freiheit geboren!

Damit unser kleines Rudel in Frieden leben kann, eine Bitte an unsere Freunde: Nehmt uns in Schutz vor unseren Feinden. Ihr Hass auf Wölfe ist unausrottbar. Achtet besonders auf jene, die sich ein Vergnügen daraus machen, Tiere zu jagen. Obwohl sie kein Recht haben, uns Wölfen auch nur ein Haar zu krümmen, traue ich ihnen nicht über den Weg. Und sollte euch eines Tages ein hinkender Wolf begegnen, lasst euch nichts anmerken. Wir kennen uns nicht! Wir haben uns nie gesehen.

(von Karin Hutter)

Medea
06.03.2005, 19:39
Ich möchte mal was beisteuern, was eben passiert ist! :hrhr:

Ich habe vorhin die Pferde reingeholt, wenn ich hinten aus dem Stall gehe ist links gleich die Weide und da warten sie dann Abends immer, bis ich komme :mrgreen:
Ich bin ganz normal hin, hole zuerst Duchess, dann hab ich die Weide, wie immer zugemacht und bringe Duchess in ihre Box, danach gehe ich normalerweise und hole Medea...

als ich die Pferde reingeholt habe, war es schon ziemlich dunkel...und somit auch unheimlich :hrhr: rausgucken konnte ich nicht mehr.
Ich war gerade dabei die Boxentür von Duchess zu zumachen, da guckt Kissy so aufmerksam zur Tür, ich dachte erst, da kommt irgendjemand, der hier mit wohnt rein, aber da seh ich was großes dunkles, aber konnte es noch nicht erkennen! Ich hatte sooo Angst, ey! :lol:
Und dann marschiert Medea rein!!! Ich weiß garnicht, wie die aus der Weide gekommen ist *ggg* die hätte auch weglaufen können, aber sie ging ganz selbstverständlich durch den Stall in ihre Box :lol:
war schon witzig :daum:

berinoa
08.08.2007, 22:22
Geliebtes Herrchen



Am Morgen bist du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt.

Du nahmst meine Leine, ich war glücklich!

Noch ein kleiner Spaziergang vor dem Urlaub. Hurra!

Wir fuhren mit dem Wagen und du hast am Straßenrand angehalten.

Die Türe ging auf und du hast einen Stock geworfen!

Ich lief und lief, bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte, um ihn dir zurückzubringen!

Als ich zurückkam, warst du nicht mehr da!

In Panik bin ich alle Richtungen gelaufen, um dich zu finden, aber vergebens!

Ich lief Tag für Tag, um dich zu finden und wurde immer schwächer.

Ich hatte Angst und großen Hunger.

Ein fremder Mann kam und legte mir ein Halsband um und nahm mich mit.

Bald befand ich mich in einem Käfig und wartete dort auf deine Rückkehr.

Aber du bist nicht gekommen!

Dann wurde der Käfig geöffnet.

Nein, du warst es nicht.

Es war der Mann, der mich gefunden hat.

Er brachte mich in einen Raum, es roch nach Tod!

Meine Stunde war gekommen.

Geliebtes Herrchen, ich will, dass du weißt, dass ich mich trotz des Leidens das Du mir angetan hast,

noch stets an dein Bild erinnere

und falls ich noch einmal auf die Erde zurück kommen könnte,

ich würde auf dich zulaufen, denn ich hatte dich lieb!

- Dein Hund.

Dieser Brief ist in einer belgischen Zeitung erschienen mit der ausdrücklichen Bitte um Verbreitung und Nachdruck.

Er regt sicher viele Menschen zum Nachdenken an.

Liebe Grüße
berinoa

Sunny+L
09.08.2007, 06:26
liebe berinoa,

die geschichte ist sehr alt und eigentlich noch etwas ausführlicher. dann hält man gar nicht mehr aus, sie bis zum ende zu lesen... *heul*

ich schätze, die die es angeht, erreicht sie nicht!

nur eins zum glück: bei uns werden hunde in tierheimen ja nicht getötet!!!!!! wenigstens das ende stimmt nicht... gott sei dank... aussetzen ist schlimm genug, aber zum glück haben sie bei uns ne chance... mir wird immer wieder bewußt, wenn ich manchmal auf alles schimpfe, daß doch schon einiges erreicht ist!

ich bitte alle engel, die tierbesitzer im herzen zu berühren, die ungewollt zu einem tier kamen oder so, daß sie diese entweder selber möglichst gut zu vermitteln oder wenigstens einer tierschutzorga oder einer fürsorglichen pflegestelle zu überlassen.

liebe grüße
sunny+l:kiss:

berinoa
09.08.2007, 11:23
Plädoyer

Der beste Freund, den ein Mensch auf der Welt hat, kann sich eines Tages gegen ihn wenden und sein Feind werden. Sein Sohn oder seine Tochter, die er mit liebender Fürsorge aufgezogen hat, können ihn undankbar verlassen.
Menschen, die uns am nächsten stehen, denen wir unser Glück und unseren guten Namen in die Hände legen, können zu Verrätern werden. Das Geld, das ein Mensch erworben hat, kann ihm genommen werden, wenn er es am nötigsten braucht. Der Ruf eines Mannes kann durch eine einzige unbedachte Handlung für immer verloren sein. Die Menschen, die uns bewundernd umschwärmen, wenn wir erfolgreich sind, können die ersten sein, die Steine werfen, wenn der Schatten des Unglücks unser Leben verdunkelt.

Der einzige gänzlich selbstlose Freund den ein Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt finden kann, der einzige, der ihn nie verlassen, der einzige der nie undankbar, nie falsch und verräterisch sein wird, ist sein Hund.
Eines Menschen Hund bleibt bei ihm in Reichtum und Armut, in Gesundheit und Krankheit. Er schläft auf dem kalten Boden, wenn die eisigen Winterwinde blasen und den Schnee vor sich herumtreiben, wenn er nur nicht von der Seite seines Meisters weichen muß. Er küsst auch die Hand, die ihm kein Futter mehr reichen kann, er leckt die Wunden und Beulen, die eine rauhe Welt uns zugefügt hat. Er bewacht den Schlaf eines Ausgeflippten als wäre ein Prinz.

Wenn uns auch alle unsere menschlichen Freunde verlassen, der Hund bleibt da! Wenn unser Wohlstand zerfällt unser guter Ruf dahingeht, bleibt er unverändert in seiner Liebe wie die Sonne, die täglich neu ihren Bogen am Himmel beschreibt.Wenn es das Unglück will, daß der Meister zum Ausgestoßenen wird, ohne Freund und ohne Heim, verlangt der treue Hund kein weiteres Vorrecht, als ihn begleiten zu dürfen, um ihn vor Gefahren zu beschützen und gegen seine Feinde zu kämpfen.

Kommt einmal die letzte Stunde heran, wo der Tod den Meister in Gewahrsam nimmt und sein Körper in die kalte Erde vergraben wird, dann wird man den edlen Hund beim Grabhügel finden. Auch wenn alle anderen Freunde ohne aufzumerken daran vorbeigehen, der Hund wird dort bleiben, seine Kopf zwischen die Pfoten gelegt, seine Augen traurig, doch offen in Wachsamkeit, verlässlich und treu auch im Tode.

(Aus einem Plädoyer von US Senator George Vest vor einem Gericht in Missouri, das über den Totschlag eines Hundes zu befinden hatte)

Liebe Grüße
berinoa

nadine
09.08.2007, 11:52
Dies habe ich vor Jahren mal gelesen und es gehört zu meinen liebsten "Geschichten" (ich weiß grad nicht, was es genau ist :lol2: )

Mit den Augen eines Wolfes


Seit den Zeiten, als nur Sonne und Mond uns Licht gaben, kannte ich dich. Aus den riesigen und undurchdringlichen Wäldern beobachtete ich dich. Ich war Zeuge als du das Feuer bändigtest und fremdartige, neue Werkzeuge machtest. Von den Kämmen der Hügel und Berge aus sah ich dich jagen und beneidete dich um deine Jagderfolge. Ich fraß deine Beutereste und du fraßt meine.


http://srv1.stats.de/l/0000031668?js=0&subpage=0&pagename= (http://www.stats.de/?x=31668)Ich lauschte deinen Gesängen und sah deinen Schatten um die hellen Feuer tanzen. In einer Zeit, so weit zurück, dass ich mich kaum mehr daran erinnern kann, schlossen sich einige von uns dir an um mit dir an den Feuern zu sitzen. Sie wurden Mitglieder deines Rudels, jagten mit dir, beschützten deine Welpen, halfen dir, fürchteten dich, liebten dich.




Und für sehr lange Zeit lebten wir so zusammen, denn unsere Wesen waren sich sehr ähnlich. Deswegen hast du die Zahmen von uns adoptiert. Ich weiß, einige von euch respektieren auch mich, den Wilden. Ich bin ein guter Jäger. Auch ich respektiere dich. Auch du warst ein guter Jäger. Ich sah dich oft, gemeinsam mit den Zahmen, Beute erlegen.


Manchmal stahl ich von deiner Beute und du von meiner. Erinnerst du dich, wie dein Rudel hungerte als der Schnee hoch lag? Du fraßt die Beute die wir erlegt hatten. Das war unser Spiel. Es war unsere gegenseitige Schuld. Manche nannten es ein Versprechen.


Wie viele der Zahmen, wurdest auch du uns immer fremder. Wir waren uns einst so ähnlich, aber jetzt erkenne ich einige der Zahmen nicht mehr und ich erkenne auch einige von euch nicht mehr. Du machtest auch die Beute zahm. Als ich begann deine zahme Beute zu jagen (es waren dumme Kreaturen auf die die Jagd keine Herausforderung war, aber die wilde Beute war verschwunden), jagtest du mich und ich verstand nicht warum.
Als deine Rudel immer größer wurden und begannen, gegeneinander zu kämpfen, sah ich eure großen Kriege. Ich fraß jene, die du erschlagen hast. Dann jagtest du mich noch mehr, denn für mich waren sie Nahrung, aber du hattest sie getötet.



Wir Wilden sind nur noch wenige. Du zerstörtest unsere Wälder und brachtest viele von uns um. Aber ich, ich jage immer noch und füttere meine versteckten Welpen, wie ich es immer getan habe. Ich frage mich, ob die Zahmen eine weise Wahl trafen, als sie sich euch anschlossen. Sie haben den Geist der Wildnis vergessen. Es gibt viele, viele von ihnen, aber sie sind mir so fremd. Wir sind nur noch wenige und ich beobachte dich immer noch, um dir auszuweichen.


Ich denke, ich kenne dich nicht mehr länger!
( Canis Lupus)

Löffel
26.08.2007, 07:24
Hallo, Sie haben die Nummer 0123-456789 erreicht, Tierschutz für Herzen mit Schmerzen.

Auf Grund der hohen Anzahl der eingehenden Anrufe möchten wir Sie bitten, die folgende Weiterwahloption aus dem vorgelesenen Menu auszuwählen, die dem Grund Ihres Anrufes am nächsten kommt:

Bitte wählen sie 1 ...

... wenn sie denken, dass wir eine Tierklinik sind und sie eine kostenfreie Beratung wünschen.

Bitte wählen sie 2 ...

... wenn sie wissen, dass wir eine Tierschutzorganisation sind, sie aber trotzdem unqualifizierte und kostenlose Auskunft zu tiermedizinischen Fragen wünschen.

Bitte wählen sie 3 ...

... wenn sie im Jahr EUR 200.000 verdienen, aber trotzdem möchten, dass wir ihren "zugelaufenen" Hund auf unsere Kosten kastrieren lassen sollen.

Bitte wählen sie 4 ...

... wenn sie einen 10 Jahre alten Hund haben und ihr 15 Jahre alter Sohn plötzlich gegen diesen Hund allergisch geworden ist und sie SOFORT ein neues Zuhause brauchen. Für den Hund, nicht für den Sohn.

Bitte wählen sie 5 ...

... falls sie zwei Hunde haben, ein Baby erwarten und die Hunde jetzt sofort wegmüssen, weil sie die einzige Person in der Welt sind, die gleichzeitig ein Baby und mehrere Hunde managen muss.

Bitte wählen sie 6 ...

... falls sie einen kranken Hund loswerden wollen, der eigentlich einen Tierarzt braucht, sie aber ihr Geld dringender für einen Urlaub benötigen.

Bitte wählen sie 7 ...

... falls sie gerade einen Welpen gekauft haben, ihr treuer alter Hund nicht mit ihm zurecht kommt und sie den alten SOFORT loswerden wollen.

Bitte wählen sie 8 ...

... falls ihr kleiner Welpe groß geworden und nicht länger klein und niedlich ist und er muss jetzt weg, damit ein neuer, kleiner und niedlicher Welpe angeschafft werden kann.

Bitte wählen sie 9 ...

... falls sie über 80 sind und gerne einen niedlichen Welpen adoptieren möchten, der nicht wirklich viel Aktion fordert und sie mit Sicherheit überlebt.

Bitte wählen sie 10 ...

... falls ein älterer Verwandter gestorben ist und sie sich zwar um das Erbe, nicht aber um dessen alten Hund kümmern wollen, weil sich dies nicht mit ihrem Lebensstil vereinbart.

Bitte wählen sie 11 ...

... falls sie heute umziehen und SOFORT Ihren 150 Pfund schweren, 10 Jahre alten Hund loswerden müssen.

Bitte wählen sie 12 ...

... falls sie einen unbezahlten freiwilligen Helfer bestellen möchten, der heute noch zu ihnen nach Hause kommt und den Hund, den sie nicht länger wollen, abholt.

Bitte wählen sie 13 ...

... falls sie den "zugelaufenen" Hund, den sie seit drei Jahren in Ihrem Hinterhof haben, beim Umzug nicht mitnehmen können.

Bitte wählen sie 14 ...

... falls sie lieber morgen früh um 6 Uhr bei mir privat anrufen und mich wecken wollen, damit sie auf dem Weg zur Arbeit schnell noch ihr Tier loswerden können.

Bitte wählen sie 15 ...

... um eine anonyme, kaum hörbare Nachricht zu hinterlassen und uns so mitteilen wollen, dass sie am vorletzten Wochenende einen Hund ausgesetzt haben, was besser ist, als den Hund nur auszusetzen, ohne uns zu sagen, wo.

Bitte wählen sie 16 ...

... falls sie vorhaben, so richtig sauer zu werden, weil wir ihren Hund, den sie seit 15 Jahren haben, nicht aufnehmen wollen, weil das schlicht und einfach nicht UNSERE Verantwortlichkeit ist.

Bitte wählen sie 17 ...

... wenn sie uns damit erpressen bzw. uns drohen wollen, ihren alten Hund einschläfern zu lassen, falls wir ihn nicht aufnehmen werden.

Bitte wählen sie 18 ...

... falls sie ein Problem mit unseren freiwilligen Helfern haben und wir ihnen keinen persönlichen Assistenten/Trainer/Gassigänger kostenlos zur Seite stellen konnten.

Bitte wählen sie 19 ...

... falls sie einen unser jungen, perfekt trainierten, stubenreinen, kinder- und katzenfreundlichen, reinrassigen Kleinhunde haben wollen, mit denen wir tagtäglich überschwemmt werden.

Bitte wählen sie 20 ...

... falls sie möchten, dass wir ihren Hund aufnehmen, der ein klitzekleines Aggressionsproblem hat, also z. B. nur ein paar Leute gebissen und nicht mehr als 2 Katzen gekillt hat.

Bitte wählen sie 21 ...

... falls ihr Hund partout nicht das Katzenklo benutzen will und sie nun nicht mehr weiter wissen, wie sie ihn sonst "stubenrein" bekommen ...

Bitte wählen sie 22 ...

... falls sie möchten, dass wir einen freien Platz, der eigentlich einem Fundhund zustehen würde, stattdessen mit ihrem Hund kostenfrei belegen sollen, während sie im wohlverdienten Urlaub sind - aus dem sie eventuell nie mehr zurückkommen werden.

Bitte wählen sie 23 ...

... falls es Heiligabend oder Ostersonntag ist und sie möchten, dass wir entweder einen 8 Wochen alten perfekten Welpen oder ein Osterhäschen vor 06.30 Uhr morgens zu ihnen bringen, bevor die Kinder wach werden.

Bitte wählen sie 24 ...

... falls sie ihren Kindern zum letzten Ostern ein Entenküken, Laufentchen oder Hasenbaby gekauft haben, das jetzt zu Weihnachten nicht mehr klein und niedlich ist.

Bitte wählen sie 25 ...

... falls sie gerne möchten, dass wir ihre Hündin aufnehmen, die schon 10 Würfe hatte, die jetzt aber nicht mehr kastriert werden kann, weil sie schwer trächtig ist und das außerdem gegen Ihre Religion verstößt.

Bitte wählen sie 26 ...

... falls sie Lügengeschichten erfinden wollen, um einem unserer jüngeren Freiwilligen ein schlechtes Gewissen einzureden, nur damit wir ihr Tier nehmen sollen.

Bitte wählen sie 27 ...

... falls ihre Katze beißt und das Katzenklo nicht benutzt, weil ihr die Krallen gezogen wurden, sie aber nicht willig sind, die Verantwortung für das veränderte Verhalten ihrer Katze zu übernehmen, nur weil sie neue Möbel haben.

Bitte wählen sie 28 ...

... falls ihr 2 Jahre alter Rüde überall im Haus markiert, sie aber bislang keine Zeit hatten, ihn zu kastrieren oder gar zu erziehen.

Bitte wählen sie 29 ...

... falls sie Ihre Hündin ganztags draußen gehalten haben und sie nun ganz plötzlich trächtig geworden ist.

Bitte wählen sie 30 ...

... falls sie wirklich "alles" getan haben, damit ihr Hund nicht mehr die Wohnung zerstört, leider bislang vergeblich, sie den Hund aber nicht an eine Hundebox gewöhnen wollen, weil das grausam ist.

Bitte wählen sie 31 ...

... falls sie an ihrer Top-Privat-Nachzucht mittlerweile ersticken und gar nicht verstehen können, warum niemand diese überaus schönen wertvollen angeboren-lieben Tiere für 2.000 € erwerben will.

Bitte wählen sie 32 ...

... falls sie SOFORT einen Welpen brauchen und nicht warten können, weil ihre Tochter heute Geburtstag hat und sie den vergessen hatten.

Bitte wählen sie 33 ...

... falls die Fellfarbe ihres Hundes nicht zu der neuen Wohnzimmereinrichtung passt und sie eine andere Farbe oder Rasse brauchen, DIE passt.

Bitte wählen sie 34 ...

... falls ihr neuer Freund ihren Hund nicht mag und sie zu
blöde sind, statt des Hundes die neue Perle raus zuwerfen (der sie nächsten Monat wahrscheinlich eh' verlassen wird).

Bitte wählen sie 35 ...

... falls für den Grund ihres Anrufes keine der oben genannten Möglichkeiten zutrifft. Sie werden hier SOFORT mit einem unserer Freiwilligen verbunden, der Tränen überströmt einen alten, weggeschmissenen Hund in seinen Armen hält, der gerade von unserem Tierarzt eingeschläfert wird, weil der alte Hund die Trennung von seiner Familie nicht verkraftet hat und hier Stück für Stück jämmerlich verkümmert.

(Mit hochachtungsvollem Respekt allen im Tierschutz Aktiven gewidmet!
Autor unbekannt.)