PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Geschichte von Hollywood


Danica
10.11.2004, 19:50
Hallo!

Heute mag ich erzählen, wie es dazu kam, dass mein Pflegepferd vor nunemehr 2 Wochen umgestellt wurde. Also:

Ende Dezember 2002 kaufte meine Freundin sich ein eigenes Pferd. Sein Name ist Hollywood, war damals 5 Jahre alt und ein stichelhaariger Fuchs, Marke holländisches Warmblut. Die ersten paar Wochen kümmerte sie sich alleine ums Pferd, damit er sich an sie gewöhnt und sie ihn selbst erst mal kennenlernt. Ab März 2003 fragte sie mich dann, ob ich nicht kostenlose Reitbeteiligung an Hollywood sein mag.

Natürlich mochte ich, zumal mein Pflegepferd davor (Empire) grad von einem 3/4 Jahr nach Frankfurt umgezogen war und somit auch außerhalb meiner Reichweiter war, was mich damals auch ziemlich fertig gemacht hatte. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ohne Tränen immer noch nicht erzählen kann. Vielleicht ein anderes Mal. :cry:

So ging ich also ab März 2003 2-3 Mal die Woche zu Hollywood. Im September 2003 fing Hollywood dann an zu lahmen. Es war den einen Tag mal besser, den anderen wieder schlechter, aber weg ging es nie. In der Tierklinik stellten sie Knochenabsplitterungen im Knieglenk fest, welche sich unter die Kniescheibe schoben und dem Pferd so große Schmerzen verursacht haben müssen. Diese Absplitterungen muß Holly aber schon vor dem Kauf gehabt haben, nur hat man es da die erste Zeit nach dem Kauf nicht so bemerkt. Um die Geschichte etwas abzukürzen:
Meine Freundin hat Hollywood operieren lassen. Das Pferd war OP versichert, doch die Versicherung kündigte ihr, als sie hörten, die Absplitterungen seien schon vorher da gewesen, weil sie meinten, meine Freundin hätte das bei Vertragsabschluß verschwiegen, was ja aber gar nicht der Fall war, da sie selbst ja gar nichts davon wußte.
Die Vorbehandlungen, die Röntgenbilder, die hohen nicht zurück erstatteten OP-Kosten, die hohen Nachbehandlungskosten, da die Wunde nicht so recht zuheilen wollte, das Knie noch mal aufgemacht werden mußte, der lange Tierklinikaufenthalt, die Aussage des Tierarztes, dass es nicht abzusehen sei, wie gut es sich entwickeln würde, Geldknappheit und die Aufsicht auf eine evtl. Jobkündigung.... all das brach alsbald über meine Freundin herein und sie wußte weder ein noch aus. Sie hat quasi ihr letztes Hemd für das Pferd gelassen, aber es half nichts.
Die Umstände brachten sie leider soweit, dass sie sich damit abfinden mußte, das Pferd abzugeben, weil sie es sich leider nicht mehr leisten konnte. Sie hätte nicht eine Rechnung mehr bezahlen können und war finanziell sowie auch psychisch total abgebrannt.

Sie hat in Dorsten einen Stall für Hollywood gefunden. Der Eigentümer des Hofes ist Tierarzt und Tierheilpraktier und betreibt einen "Gnadenbrothof". Er hat super viele Tiere: Ziegen, Hühner, Enten, Gänse, Karpfen, Pferde, Esel, Hunde, Katzen... Meine Freundin hat ihre und Hollys Geschichte dort erzählt und Heinz, der Eigentümer, erklärte sich bereit, Holly auf seinem Hof aufzunehmen.

Das heftige für mich an dieser Geschichte war, dass meine Freundin mir Montags sagte, sie schaue sich den Hof heute mal an und mir Dienstags per Email schrieb, dass Holly jetzt seit gestern schon dort stünde. Als ich dies las, mußte ich arg schlucken, denn obgleich ich wußte, dass sie ihn abgeben muss, hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Ich wußte aber, dass es für sie noch viel viel schwerer war, als für mich und als ich ihr versuchte ein paar nette Worte hierzu zu schreiben, wurde mir bewußt, dass ich mich nichtmals von Holly hatte verabschieden können. Dieses Bewußtsein trieb mir Tränen in die Augen, denn 1 1/2 Jahre mit einem Tier gehen ja nicht spurlos an einem vorrüber.

1 Woche später bin ich mit meiner Freundin nach Dorsten gefahren um zu gucken, wie er sich eingelebt hat. Holly stand auf der Wiese, raste mit der Herde mit über die Koppel, hatte schon eine "Freundin" gefunden, die er zu verteidigen wußte, eine schöne große Box und Kinder, die sich jeden Tag um ihn kümmern, ihn putzen und auch reiten. Er hat es wirklich gut dort und meine Freundin hätte ihn auch nicht dort hergestellt, wenn es ihr nicht 100%ig zugesagt hätte. Wir haben uns auch vorgenommen, ihn noch regelmäßig 1 x im Monat besuchen zu fahren, was von Heinz' Seite aus auch völlig ok wäre.

Obwohl ich genau weiß, dass es halt nicht anders ging und unumgänglich war, bin ich dennoch traurig, dass Hollywood jetzt weg ist und ich erst mal wieder ohne Pferd da stehe. :(
Aber wie gesagt, nachdem das jetzt schon das 2. Mal in kürzester Zeit war, dass ich ein geliebtes Pferd ziehen lassen mußte (beim 1. Mal um einiges heftiger als beim 2. Mal jetzt), habe ich erst mal "die Schnauze voll" und mag mich erst mal von der Reiterei was erholen, bevor ich mir direkt wieder ein neues Pflegepferd suche. Vielleicht im Frühjahr. Mal sehen...

Tini
10.11.2004, 20:52
Ach je...
Aber er hat es jetzt gut!Und das ist die Hauptsache..
Ich glaube dir aber,dass es sehr schwer für dich ist. Schade,dass der Hof nicht bei euch in der Nähe ist..
Ich drück dich!!!!
:knuddel: :knuddel:

Finesse
11.11.2004, 06:40
Das muss schon sehr hart sein, man hängt da ja echt sehr dran :(
Aber ich denke auch, Du solltest wirklich sehen dass es Holly jetzt gut geht. Das ist das Wichtigste.

Und ich bin mir sicher dass es für Dich auch bestimmt bald ein Pferd geben wird dass Du hoffentlich nicht so schnell wieder los wirst :wink:

:knuddel: Kopf Hoch!

Danica
11.11.2004, 07:20
Oh danke! Ihr seid ja sooo lieb!! :floatingheart: :knuddel:
Klar, es ist immer schwer, auch wenn es nicht das ganz eigene Tier war.
Das ist halt das große Los einer Pflegerin/Reitbeteiligung.
Da hat man dann immer eine ganze lange Weile dran zu knabbern.
Ich war auch beruhigter, als ich Holly an dem neuen Stall besuchen war und gesehen hatte, wie schön es dort wirklich ist und dass er sich wohl fühlt und als ich mich dann ja doch noch verabschieden konnte. Und klar, Dorsten ist nicht aus der Welt (30-40 Min. von Essen aus) und wir besuchen ihn bestimmt auch noch regelmäßig, aber für jeden Tag wäre mir das echt zu weit. Erst mal mag ich mich dennoch nicht nach einem neuen Pferd umschauen. Ist mir alles noch zu frisch.